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Fitness News Germany wollte von Paul Underberg, dem Mann, der INLINE und INJOY so erfolgreich gemacht hat, wissen, wie er den Verkauf der MIGROS von ACISO an Lafayette sieht. Paul Underberg ist jemand, der fast über vier Jahrzehnte einer der Protagonisten des Fitnessmarktes war bzw. ist und selbst seine Unternehmen 2015 erfolgreich an die MIGROS verkauft hat. Lesen Sie hier das Interview:

„Paul, was waren denn seinerzeit 2015 deine Beweggründe INLINE/INJOY an die MIGROS verkaufen.“

Paul Underberg: „Nun, der Prozess bis zum Exit ging ja schon über ein paar Jahre. Eine wertvolle Zeit der Annäherung in wechselseitiger Wertschätzung und Anerkennung für eine gemeinsame Zukunft.
Mein vorrangiges Ziel war, mit einem wirtschaftlich starken Partner auch nach der Übernahme schneller zu wachsen. Zudem wurde ich in dem Folgejahr 60 und somit war es eine sehr gute Lösung, weil ein Generationswechsel oder Management Buy-out /MBO nicht in Frage kamen.“

„Wieso ein MBO nicht?

Paul Underberg: „Weil die Mittel für den Wert bei den Personen, die in Frage gekommen wären, nicht da waren. Und dann wäre es ja immer noch nicht wachstumstreibend gewesen.“

„In Bilanzen kann man lesen, dass INLINE/INJOY seinerzeit gut gewinnträchtig waren.“

Paul Underberg: „Die MIGROS hätte diesen Kauf sicher nicht getätigt, wenn ich meinem Job mit meinen Leuten vorher nicht gut gemacht hätte.“

„Was ist dann passiert?“

Paul Underberg: „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Die MIGROS ist ein tolles Unternehmen, ein wirtschaftlicher Gigant mit einer immensen Kultur. Die Gesellschaft an sich trägt ja nicht immer die Schuld, wenn die Geschäftsführer versagen. Allerdings trägt sie die Verantwortung.
Die neuen Geschäftsführer haben damals behauptet, mich nicht mehr zu brauchen; jedenfalls meinten sei das. Sie waren ja sogar noch von hochqualifizierten Menschen umgeben.
Aber das Denken und Handeln komplett zu ändern, ohne ausreichende Erkenntnisse und Erfahrungen, ohne eine Intuition, welche Konsequenzen das hat, ist natürlich besonders im Dienstleistungsbereich mit direkten Kundenverhältnissen fatal. Eitelkeiten können im Geschäftsleben recht teuer werden.“

„Dann kam der Deal mit Greinwalder und Partner, die von der MIGROS zu INLINE/INJOY dazu gekauft wurden.“

Paul Underberg: „Die Beweggründe kann ich nicht so richtig nachvollziehen und will sie so auch nicht kommentieren – ob gut, richtig oder falsch.
Fakt ist aber, dass IN und G&P unterschiedliche Ausrichtungen und eine andere DNA hatten, obwohl die Gründer Huber Greinwalder und Oliver Sekula ehemalige INLINE-Mitarbeiter von mir waren.
Wenn man aber eine erfolgreiche, tief im Markt etablierte Unternehmensberatung mit einer Marketingagentur mischt und einen slimBelly-Vertrieb mit dem führenden Qualitäts-Franchisesystem, INJOY „kreuzt“, wird es schwierig, weil es zu wechselseitigen Verwässerungen und somit zu Entkräftungen kommt. Besonders dann, wenn die geschäftsführende Verantwortung bei denen liegt, die Franchising und Markenführung bis dato nicht kannten. Und die Franchisenehmer und andere Partner sie auch nicht.“

„Was hältst du von der Theorie einer Schweizer Zeitung, dass die MIGROS in Deutschland mit Elements in Schieflage geraten ist, weil bei dem fatalen Marketing-Gag (nach dem hohen 7:1 Sieg von Deutschlang bei der WM 2014 gegen Brasilien) Mitglieder mit einer Vorankündigung (10% Nachlass pro Tor von Deutschland), also mit insgesamt 70 % Nachlass akquiriert wurden?“

Paul Underberg: „Nichts halte ich von der Theorie.“

„Wieso?“

Paul Underberg: „Weil die Aktion mit den Ergebnissen sicher Fluch und Segen zugleich war. Mehrere tausend Mitglieder an einem Tag zu gewinnen, war doch der Kracher. Die Beiträge auf die Leistungen der Elements-Clubs bezogen natürlich nicht. Wenn aber von neuen begeisterten 3.000 Mitgliedern nur die Hälfte noch 1 bis 2 weitere Menschen mitbringen…
Die wahren Gründe, warum die Elements-Studios schwer in wirtschaftlich gutes Fahrwasser zu steuern sind, liegen ganz woanders. Mir steht es nicht zu, das hier zu erörtern.“

„Wie empfindest bzw. bewertest du jetzt den Verkauf der MIGROS an Lafayette?“

Paul Underberg: „Zunächst mal schade, dass die MIGROS sich in Deutschland aus dem Fitnessmarkt zurückgezogen hat. Kein gutes Signal.
Lafayette wird bei der Due Dilligence sicher erkannt und für sich eingeschätzt haben, dass sie ein 1-2 Geschäftsfelder ggf. mit mehr Nähe, Intensität, kostenorientierterem Umschalten sowie brachliegende Umsatzpotentiale zeitnah wieder verdichten können. Das kann mit den richtigen Leuten durchaus wirtschaftlicher ausgehen.“

„Welche Geschäftsfelder sind das?“

Paul Underberg: „Ich denke, dass INJOY dazu gehört.“

Zur Person
Paul Underberg gründete u.a. INJOY mit über 240 Standorten in der Spitze, war Unternehmer des Jahrzehnts, INLINE hatte mehr als 500 Beratungskunden in DACH und veranstaltete jährlich den Branchen-Kongress mit über 2.000 Teilnehmern, den INLINE-Kongress.

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