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Als der leider viel zu früh verstorbene Liedermacher Ulrich Roski 1974 mit seinem „Plastic Joe“  eine Art menschliches Ersatzteillager schuf, konnte sich wohl kaum jemand vorstellen, dass die Fiktion knapp 50 Jahre später längst von der Realität eingeholt sein würde. Derweil ist der Einsatz von Endoprothesen ist zur täglichen Routine geworden. Ganz vorne auf der Liste steht der künstliche Hüftgelenksersatz. Mit mehr als 300 Eingriffen je 100.000 Einwohnern stand Deutschland 2017 damit in der Statistik weltweit auf dem 1. Platz. Sogar die USA lagen weit abgeschlagen dahinter. Gesunde Gelenke nur durch Operation? Die Frage, ob die Operation am Gelenk im Einzelfall immer nötig ist, muss sich jeder Betroffene in Absprache mit seinem Arzt selbst beantworten.  Jedoch sollte man, bevor man eine derart schwerwiegende Entscheidung trifft, wissen, dass es alternative Lösungsansätze gibt, denen man vor dem operativen Eingriff am Gelenk zumindest eine Chance geben sollte.  

Kräftige Muskeln für mehr Gelenkstabilität 

Dr. Manuel Dornemann, Orthopäde und selbst über viele Jahre erfolgreicher Hochleistungssportler, plädiert für ein gezieltes Muskeltraining des Rumpfes und der Gelenk-stabilisierenden Muskulatur. Seine Erklärung klingt mehr als einleuchtend. So können etwa die Beinmuskeln die Belastungen auf das Kniegelenk, z. B. beim Treppensteigen, wie ein natürlicher Stoßdämpfer abfedern. Zumindest, solange sie sich in einem guten Trainingszustand befinden. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Auch so anfällige Strukturen wie die Hüfte oder das Schultergelenk profitieren von einer kräftigen Muskulatur. Trainierte Bizeps, funktionierende Außenrotatoren und ein starker Latissimus sind im Zusammenspiel ein wichtiger Schutz vor der sogenannten „Schulterenge“, von der vor allem ältere Menschen häufig betroffen sind. Ein sorgfältig zusammengestelltes Programm kann hier bereits nach wenigen Wochen zu spürbaren Ergebnissen führen. Gesunde Gelenke brauchen also eine ausgebildete sowie funktionierende Muskulatur. 

Muskeltraining – Nicht im Alleingang 

Einschränkend verweist Dr. Dornemann allerdings darauf, dass Betroffene die notwendigen Übungen nicht im Alleingang durchführen sollten: „Vorschädigungen z.B. der Muskulatur oder im Gelenk erfordern eine durchdachte Herangehensweise. Wer z. B.  Probleme mit der Rotatorenmanschette hat, sollte die Schultern eher durch verschiedene Formen des Seithebens belasten als mit drückenden Überkopfbewegungen. Bei anderen Beschwerdebildern kann eine Einschränkung der Bewegungsamplitude angeraten sein. Das sind Einzelfallentscheidungen, bei denen Trainierende, behandelnde Ärzte und Fachtrainer oder Physiotherapeuten Hand in Hand arbeiten sollten.“  

Zur Person: 

Dr. med. Manuel Dornemann 
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie 
Mehrfacher Deutscher Meister 4x400m (LG Dortmund) 
Europameister 2019 über 400m AK40  

Facharztpraxis für Orthopädie und Unfallchirurgie  
Dr. med. Martin von Schroeter – Dr. med. Manuel Dornemann 
Neumarkt 15-17 
D-47441 Moers 

Bildunterschrift:  Dr. Manuel Dornemann siegt bei der Europameisterschaft 2019 in Venedig vor Olivier Apatout aus Frankreich. Foto: privat