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Dehnen zwischen den Sätzen kann man im Studio immer wieder beobachten. Da werden die wildesten Verrenkungen gemacht, um am Mehrstationen-Turm mit Hingabe den Latissimus oder die Brustmuskulatur zu dehnen. Auch die Waden und die vordere Oberschenkelmuskulatur gehören zu den Muskeln, die immer wieder gerne zwischen zwei Sätzen gedehnt werden.

Nehmen die Spannung aus der Muskulatur

Da drängen sich gleich mehrere Fragen auf. Zum einen nach dem Sinn und dem Nutzen dieses Pausenfüllers, und ob es nicht vielleicht günstiger wäre, die Dehnübungen zu einem anderen Zeitpunkt durchzuführen?
Vorweg zunächst einmal: Dehnen im Fitness- und Gesundheitssport macht auch dann Sinn, wenn das wesentliche Ziel darin besteht, kräftiger zu werden oder Muskelgewebe aufzubauen. Allerdings müssen die Übungen regelmäßig durchgeführt werden. Ein gut vorgedehnter Muskel kann mehr Kraft entfalten. Dagegen kann sich nur gelegentliches Dehnen vor einer Übung sogar kontraproduktiv auf die anschließende Leistungsfähigkeit auswirken.
Trotzdem sollte man vor dem Training und zwischen den einzelnen Sätzen auf Dehnübungen verzichten. Zum allgemeinen und spezifischen Aufwärmen gibt es bessere Möglichkeiten, z. B. ein paar Minuten auf dem Ergometer oder dem Climber und zwei bis drei Aufwärmsätze mit leichtem Gewicht für die jeweils trainierte Muskelgruppe. Es gibt sogar mehrere gute Gründe, warum die Dehnübungen vor und während des Trainings nichts zu suchen haben. Sie nehmen die Spannung aus der Muskulatur – schwächen also – und sie machen den Muskel verletzungsanfälliger, obwohl man sich ja durch die bessere Dehnfähigkeit das genaue Gegenteil erhofft.

Zeitlich unabhängig vom Widerstandstraining

Nach dem Training oder zeitlich unabhängig vom Widerstandstraining macht das Dehnen dagegen sehr wohl Sinn. Die positiven Effekte machen den zusätzlichen zeitlichen Aufwand mehr als wett. Gerade auch bei älteren Menschen, deren Flexibilität häufig zu wünschen übriglässt. Das macht sich natürlich auch beim Training bemerkbar. Je größer die Dehnfähigkeit, umso besser lassen sich vor allem komplexe Übungen korrekt bewältigen. Der Weg dahin ist keine Zauberei. Ein wünschenswertes Maß an Dehnfähigkeit lässt sich sogar recht schnell erreichen. Am besten lässt sich die Flexibilität durch häufiges, kurzes Üben steigern. Wem es lediglich darum geht, die physiologischen Voraussetzungen für die korrekte Ausführung komplizierterer Übungen zu schaffen, der kann schon mit 10–15 Minuten Training am Tag ans Ziel kommen. Bereits nach sechs Wochen sollte sich die Dehnfähigkeit der trainierten Muskelgruppen deutlich verbessert haben. Bereits nach dieser kurzen Zeit nimmt die Länge des Bindegewebes in dem trainierten Bereich zu. Ein kleiner Wermutstropfen für die Älteren: Mit zunehmendem Lebensalter muss man etwas mehr Zeit einplanen, um die Flexibilität zu erhalten oder sogar zu verbessern. Einmal abgesehen von den anatomischen Grenzen und eventuellen orthopädischen Einschränkungen ist aber auch in höherem Alter noch viel Platz für Verbesserungen, wie die Beispiele von Mittsiebzigern zeigen, die problemlos in den Spagat kommen.


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