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Boris Stein gehört zu den besten Triathlon-Profis der Welt. Für den mehrfachen deutschen Meister und Sieger bei den Ironman 70.3 European Championships (2015, 2019) steht über die Langdistanz eine Bestzeit von 7:49:14 h zu Buche. Aufgestellt hat er sie 2019 bei seinem Sieg beim IRONMAN Schweden in Kalmar. Fitness News Germany hat Boris Stein gefragt, wie er die Zeit der Pandemie als Profi-Sportler empfunden hat und wie Triathleten sich die Power für die schier endlosen Trainingseinheiten und Wettkämpfe holen. So trainiert der IRONMAN-Sieger seine Power.

FNG: „Boris, wie hast Du als Triathlon-Profi die Corona-Pandemie erlebt?“

Boris Stein: „Mit den Schließungen vieler Sportstätten und Absage von Wettkämpfen ohne Perspektive sank meine Motivation für leistungsorientiertes Triathlontraining. Anfangs blieb also Zeit für andere sportliche Projekte, die man sich im Trainingsalltag verkneift (Strava-KOMs jagen, überlange Ausfahrten (300 km+). Zudem habe ich diese Zeit ohne Wettkampfdruck genutzt, um Verletzungen einmal komplett auszukurieren und individuelle Defizite zu beheben. Zwar traf mich die Pandemie in der Höchstleistungsphase meiner Karriere, aber ich denke, durch den cleveren Umgang, kann sie meine Karriere sogar verlängern.
Der Wiedereinstieg nach der ersten Welle war und ist jedoch recht hart. Es gibt immer noch wenige Rennen und diese sind oftmals deutlich stärker und dichter besetzt. Das Preisgeld im Triathlon war vor der Pandemie schon niedrig. Nun ist es oftmals schwer, überhaupt in diese Preisgeldränge zu gelangen. Viele Triathleten machen mit einer Rennteilnahme sogar Minus. Gerade für junge Athleten ist es schwerer geworden den Schritt zum Profi zu absolvieren.“

Boris Stein bei einer Laufeinheit unter Palmen. Was entspannt aussieht, ist das Ergebnis harter Arbeit.

FNG: „Wettkämpfe und kommerzielle Trainingslager sind reihenweise ausgefallen, hat sich das auf das Verhältnis zu den Sponsoren ausgewirkt?“

Boris Stein: „Es war schwieriger sich als Athlet zu zeigen und die Sponsoren bei Wettkämpfen zu präsentieren. Ich habe in den Hochzeiten der Pandemie versucht, unter anderem mit einem Podcast und virtuellen Rennen, meinen Fans mehr Nähe und Sponsoren einen Gegenwert zu bieten.
Meine Grundmotivation für Leistungssport ist jedoch meine Leistung zu optimieren und Resultate zu zeigen. Das hat mir sehr gefehlt.“

FNG: „Sind Dir Unterschiede aufgefallen, wie man mit der Situation in anderen Ländern umgeht?“

Boris Stein: „Deutschland ist wirtschaftlich gut im Vergleich zu anderen Ländern durch die Pandemie gekommen. Meinem Eindruck nach, wurde in anderen Ländern früher und härter das Leben eingeschränkt, konnte aber auch entsprechend früher wieder geöffnet werden. Die physische und psychische Gesundheit der Menschen stand vielleicht in anderen Ländern etwas mehr im Fokus. So waren geöffnete Schulen und Sport früher wieder möglich.“

Boris Stein beim Schwimmtraining

FNG: „Langdistanz-Triathleten konzentrieren sich gerne auf wenige Wettkämpfe im Jahr. Im Mai 2022 soll in St. George die 2021 ausgefallene WM nachgeholt werden und im Oktober steht die reguläre WM auf Hawaii ins Haus. Wie siehst Du die beiden Weltmeisterschaften über die IRONMAN-Distanz im kommenden Jahr?“

Boris Stein: „Der Mythos im Langdistanz-Triathlon ist der IRONMAN Hawaii, aber ganz objektive Kriterien haben Hawaii zu einem würden Platz für die Weltmeisterschaft gemacht. So wird im Meer ohne die Unterstützung des Neoprenanzugs geschwommen, das Radfahren ist durch den Wind und das Höhenprofil sehr anspruchsvoll und auch der Marathon bei tropischen Temperaturen ist nicht zu unterschätzen. Hier ist noch am ehesten der sprichwörtliche „Kampf gegen sich selbst“ möglich. Das muss der Standort in St. George erst einmal unter Beweis stellen.
Allerdings brauchen viele Profis, die Sponsoren und auch der Triathlon eine WM, um ihr Fortbestehen zu sichern und ihre Relevanz nicht zu verlieren. Eine Durchführung im Mai auf dem Festland scheint mir wahrscheinlicher und ich fiebere dem Rennen entgegen.“

Unterstützendes Kraft- und Stabi-Training sind Pflichtprogramm.

FNG: „Als IRONMAN benötigt man nicht nur Ausdauer, sondern auch spezielle Kraftfertigkeiten gerade beim Radfahren und beim Schwimmen. Absolvierst Du ein spezielles Krafttraining und wie baust Du das in den Saisonverlauf ein?“

Boris Stein: „Dreimal pro Woche enthält mein Trainingsplan eine Stunde isoliertes Athletiktraining. Dieses zielt auf drei Teile: Stärkung und Ansteuerung der tiefen Beckenmuskulatur, Stärkung der Muskulatur der Körpermitte und Stärkung der vortriebswirksamen Beinmuskulatur.
Spezifisches Krafttraining für das Schwimmen absolviere ich nur im Becken mit Paddles und Band, um hier keine nicht vortriebswirksame Muskelmasse zu bilden. Ich beginne jedes Athletiktraining mit der Ansteuerung der tiefen Beckenmuskulatur. Diese soll die Haupthaltearbeit leisten. Im frühen Status der Vorbereitung setze ich vermehrt die Langhantel zum Muskelaufbau im Unterkörper ein (Ausfallschritte, Kniebeugen und Kreuzheben). Kommen die Wettkämpfe näher, konzertiere ich mich auf klassisches Training der Körpermitte mit Planks und Übungen mit dem Schlingentrainer. Krafttraining der vortriebswirksamen Muskulatur führe ich dann nur während des Radfahrens (niedrige Trittfrequenz) oder Laufens (Sprungvariationen) durch.“

Eine starke Körpermitte ist unerlässlich. Boris Stein nutzt dafür gerne den Schlingentrainer.

FNG: „Wann und wo steht Dein nächster Wettkampf an?“

Boris Stein: „Als Vorbereitung für die IRONMAN WM im Mai werde ich im März noch beim 70.3 Lanzarote starten.“

FNG: „Boris, vielen Dank für das Interview, und alles Gute für Zukunft und die kommenden Wettkämpfe!“

Wer mehr über Boris Stein erfahren möchte, findet hier alle Informationen:
http://www.boris-stein.de

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