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Welche Bedeutung haben Fokussierung & Visualisierung für uns? Wir alle müssen uns ständig mit irgendeiner Form von Stress auseinandersetzen. Doch während einige Menschen sich auch unter Druck auf ihre Aufgaben konzentrieren können, fällt anderen das extrem schwer. Woran liegt das?

Man wächst mit den Aufgaben

Ein entscheidender Punkt ist, dass die Stresstoleranz trainierbar ist. In allen Bereichen. Piloten behalten auch in kritischen Situationen die Nerven, wenn andere Menschen in Panik ausbrechen würden. Extremsportler setzen sich freiwillig Situationen aus, die uns schon beim Gedanken daran kalte Schauer über den Rücken jagen.

Wie machen sie das nur? Sind sie schon mit derart außergewöhnlichen Voraussetzungen auf die Welt gekommen? Spitzenleistungen setzen sicherlich auch ein gewisses Maß an angeborenen Eigenschaften voraus, doch ein großer Teil, der auch über das rein körperliche hinausgeht, ist schlicht und einfach antrainiert. Erfahrene Sportpsychologen wissen das. Das körperliche Training allein reicht nicht aus, um heute an der Weltspitze mitzuhalten. Kein noch so begnadeter Athlet kann kontinuierlich Wettkämpfe gewinnen, wenn er mental nicht stark genug ist, um dem Wettkampfdruck standzuhalten. Selbst das harte Training erfordert schon ein hohes Maß an Stresstoleranz. Wie schafft man es dennoch, damit umzugehen und dabei auch noch die Leistungsfähigkeit kontinuierlich zu verbessern? Die Antwort darauf heißt mentales Training. Das hört sich zunächst einmal etwas abgehoben an, ist aber gar nicht so kompliziert. Im Wesentlichen geht es dabei um zwei Faktoren: Die geistige Konzentration auf bestimmte, immer wiederkehrende Abläufe zu richten und deren Verbildlichung, also Fokussierung & Visualisierung.

Doch die Zukunft ergibt sich aus der aktiven Gestaltung der Gegenwart.
Die scheint für viele aber nur ein durchlaufender Posten zu sein.

Ralf Meier

Konzentriert an die Arbeit

Doch welche Hilfe bringen Fokussierung & Visualisierung auf der körperlichen und der geistigen Ebene im Kampf gegen den Stress? Auf der körperlichen Seite unterstützen sie die Effektivität der Übungen, auf der geistigen Ebene zwingen sie uns etwas zu tun, was in unserer Kultur immer mehr in den Hintergrund zu treten scheint: Sie zwingen uns, zumindest in bestimmten Momenten ganz gezielt im Hier und Jetzt zu leben. Aber das tun wir doch alle, oder nicht? Physisch sicherlich, aber überschlagt einmal kurz, wie oft Eure Gedanken im Laufe des Tages in die Vergangenheit oder in die Zukunft schweifen. Zur ohnehin schon reichlichen Reizüberflutung belasten wir uns auch noch ständig mit Dingen, die entweder schon längst hinter uns liegen oder in der Zukunft auf uns warten könnten.

Doch die Zukunft ergibt sich aus der aktiven Gestaltung der Gegenwart. Die scheint für viele aber nur noch ein durchlaufender Posten zu sein.  Wir sitzen am Arbeitsplatz und sind in Gedanken bereits bei der Zusammenstellung des Abendessens, den möglichen Problemen mit dem Partner oder auch der Einsamkeit, die uns zu Hause erwartet. Und treiben unseren Blutdruck damit schon einmal durch erfundene Situationen in die Höhe, denn unser Unterbewusstsein kann zwischen Realität und Fiktion nicht unterscheiden. Ein großer Nachteil, der daraus resultiert: Wir können nicht genügend Konzentration in die tatsächliche Aufgabe investieren. Es fehlt an Fokussierung & Visualiserung.

Die Fähigkeit, sich voll und ganz auf aktuelle Handlungen konzentrieren zu können, wirkt sich auch in anderen Lebensbereichen positiv aus. Sie hilft, unnötigen psychischen Stress zu reduzieren und mit tatsächlichem Stress besser umzugehen.

Unser Erregungsniveau richtet sich nach den tatsächlichen Anforderungen und wird nicht zum unkontrollierten Selbstläufer. Psychoregulation nennen die Psychologen das, was sich als Ergebnis regelmäßiger Konzentrations- und Visualisierungsübungen einstellt.

Bild: iStock ID: 610961742