Kevin Ebener erlebte die pulsierende Fitnessszene am Bosporus
Istanbul ist einfach zu groß, um es in wenigen Tagen zu erfassen. Das gilt für die Stadt selbst und erst recht für ihre Fitnessszene. Kevin Ebener war einige Tage in der türkischen Metropole unterwegs und hat sich angesehen, welchen Stellenwert das Fitnesstraining dort inzwischen hat. Sein erster Eindruck ist eine Momentaufnahme aus einer Stadt, in der Fitness unübersehbar zum modernen Stadtleben gehört.
Eine Stadt in anderen Dimensionen
Mein Blick auf Fitnessstudios ist wahrscheinlich ein anderer als der eines normalen Besuchers. Wenn man, wie ich, quasi mit der Branche aufgewachsen ist, achtet man automatisch auf Standorte, Konzepte, Trainingsflächen und darauf, wie sich ein Studio präsentiert. Doch in Istanbul kommt noch etwas anderes hinzu: die unglaubliche Dimension dieser Stadt.
Mehr als 15,7 Millionen Menschen leben hier. Zum Vergleich: Im gesamten Ruhrgebiet sind es lediglich gut fünf Millionen. Damit wohnt fast jeder fünfte Einwohner der Türkei in der Metropole am Bosporus. Entsprechend groß und unterschiedlich ist auch das Angebot. Nach wenigen Tagen sollte man deshalb vorsichtig damit sein, von „der Istanbuler Fitnessszene“ zu sprechen. Zwischen den einzelnen Stadtteilen liegen teilweise Welten, geografisch ebenso wie beim Lebensstil.
Was mir bei meinem kurzen Aufenthalt trotzdem aufgefallen ist, war die geballte Präsenz professioneller Fitnessangebote. Besonders deutlich wird das am Beispiel MACFit. Die zur Mars-Athletic-Gruppe gehörende Kette ist in Istanbul an zahlreichen Standorten vertreten. Auf der aktuellen Standortliste finden sich Clubs in Einkaufs- und Lifestylezentren wie Mall of Istanbul, Akmerkez, Zorlu oder Marmara Park ebenso wie in zahlreichen Wohnvierteln auf beiden Seiten des Bosporus. Insgesamt betreibt MACFit derzeit 104 Clubs in 13 türkischen Städten.
Genau diese Verbindung von Fitness und Alltag ist spannend zu beobachten. Die Studios liegen häufig dort, wo die Menschen ohnehin einkaufen, arbeiten oder ihre Freizeit verbringen. Fitness wirkt dadurch weniger wie ein abgeschlossener Bereich und stärker wie ein selbstverständlicher Bestandteil des urbanen Lebens.
Vom großen Club bis zum spezialisierten Studio
Gleichzeitig besteht Istanbul längst nicht nur aus großen Fitnessketten. Zu sehen ist dieselbe Ausdifferenzierung, die wir auch aus anderen internationalen Großstädten kennen. Dazu gehören Personal Training, Pilates, funktionelles Training, EMS und kleinere Boutique-Konzepte, die klassische Clubs ergänzen.
Der Istanbuler Anbieter Fitamine beispielsweise betreibt 19 Standorte und setzt vor allem auf EMS-Training. Ex Animo in Sarıyer verbindet unter anderem Functional Fitness, Weightlifting und Gymnastics und ist seit 2025 offizieller HYROX Training Club.
Für mich ist gerade diese Bandbreite spannend. Auf der einen Seite stehen große, technisch modern ausgestattete Anlagen, auf der anderen kleinere Konzepte, bei denen Betreuung, Spezialisierung und Community stärker in den Mittelpunkt rücken. Das ist keine Besonderheit Istanbuls, aber in einer Stadt dieser Größe bekommt diese Entwicklung eine ganz andere Dimension.
Hinzu kommt ein Bereich, der beim Blick auf kommerzielle Studios leicht übersehen wird. Die Stadt selbst ist ein großer Sportanbieter. Spor İstanbul, eine Gesellschaft der Stadtverwaltung, betrieb 2025 insgesamt 74 Sportanlagen und bot dort 34 Sportarten an. Rund 936.000 Menschen nutzten im Laufe des Jahres diese Einrichtungen. Das zeigt, dass organisierter Sport in Istanbul keineswegs ausschließlich ein kommerzielles Thema ist.
Noch ein weiterer Punkt fällt in Istanbul auf. Die Stadt ist eines der bedeutendsten Zentren der Textil- und Bekleidungsindustrie Europas. Allein über den Istanbuler Branchenverband İHKİB liefen 2026 rund 65 Prozent der türkischen Bekleidungsexporte. Diese industrielle Nähe ist auch für die Fitnessbranche interessant, weil leistungsfähige Hersteller von Funktionsstoffen, Maschenwaren und technischen Textilien sowohl die Produktion von Sportbekleidung als auch Komponenten wie strapazierfähige Bezüge und Polstermaterialien für Trainingsgeräte unterstützen können.
Nach ein paar Tagen nehme ich deshalb vor allem den Eindruck mit, dass Istanbul eine erstaunlich vielfältige Trainingslandschaft besitzt. Große Ketten, kommunale Anlagen und spezialisierte Studios existieren nebeneinander und sprechen sehr unterschiedliche Zielgruppen an. Für eine Stadt, die ohnehin ständig in Bewegung zu sein scheint, passt das ziemlich gut.




