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Seit der zweifache Nobelpreisträger Linus Pauling 1970 in seinem Buch „Vitamin C and the Common Cold“ eine Lanze für die Ascorbinsäure gebrochen hat, genießt das Vitamin, obwohl seine Bedeutung seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert wird, eine Art Kultstatus. Doch jetzt könnte eine andere Substanz diese Rolle übernehmen, denn Vitamin D ist auf dem Vormarsch.

Mangelende Sonnenbestrahlung der Haut

Dass Vitamin D eine wichtige Rolle für die menschliche Gesundheit spielt, weiß man seit Langem. Ein Mangel kann zu der bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts gefürchteten und gar nicht so seltenen Rachitis führen. Einer Knochenerweichung, die mit Verformungen des passiven Bewegungsapparates einhergeht, z. B. im Bereich des Brustkorbs mit einer sogenannten Trichterbrust. Auch eine Osteoporose kann durch Vitamin-D-Mangel begünstigt werden. Außerdem steigt das Risiko, an Bluthochdruck zu erkranken, deutlich an. Wie es zu einer Unterversorgung kommen kann, ist auch seit Jahrzehnten bekannt. Mangelende Sonnenbestrahlung der Haut und eine zu geringe Aufnahme von Vitamin D über die Nahrung sind die wichtigsten Faktoren. Beides lässt sich in unseren Breitengraden nur bedingt beeinflussen.

Die Sonneneinstrahlung ist über viele Monate des Jahres zu gering, um in der Haut den Aufbau des Vitamins anzuregen, und wenn dann die Sonne scheint, verhindern Mitteln mit hohem Lichtschutzfaktor die mögliche Synthese des Vitamins in der Haut. Doch gerade dieser Weg ist die wichtigste Quelle. Berücksichtigt werden sollte auch, dass an der Verstoffwechslung von Vitamin D die Nieren beteiligt sind. Deshalb führen verschiedene Formen der Niereninsuffizienz zwangsläufig zu einer Minderversorgung mit Vitamin D. Da Vitamin D nur in wenigen Nahrungsmitteln in einer erwähnenswerten Menge enthalten ist, z. B. in fettem Meeresfisch und mit deutlichem Abstand auch in Eiern, stand die Versorgung auf diesem Weg gerade in den „mageren“ Nachkriegsjahren auf eher wackeligen Beinen. Doch man fand einen Weg, die chronische Unterversorgung breiter Schichten der Bevölkerung zu bekämpfen. Mit Lebertran. Das schmeckte zwar genauso gewöhnungsbedürftig, wie es sich anhört, aber mangels Alternativen behalf man sich damit.

Versorgung soll das Immunsystem stärken

Nachdem die allgemeine Nährstoffversorgung sich gebessert hatte, folgten Jahrzehnte, in denen Vitamin D wieder in Vergessenheit geriet. An eine Supplementierung in größerem Stil dachte kaum jemand, zumal die fettlöslichen Vitamine generell im Verdacht stehen, leicht überdosiert werden zu können. Erst in der jüngsten Vergangenheit ist Cholecalciferol, so die alternative Bezeichnung, als „Gesundheitsvitamin“ wieder in den Blickpunkt geraten. Eine überdurchschnittliche Versorgung soll das Immunsystem stärken und so zahlreichen Erkrankungen vorbeugen oder zumindest deren Verlauf abmildern können. Während der Corona-Pandemie gab es zudem bereits früh Hinweise, dass ein guter Vitamin D-Status einen besseren Schutz vor einer Infektion, zumindest vor lebensbedrohlichen Komplikationen darstellt. In Deutschland blieb man bei dem Thema zwar eher zurückhaltend, doch in anderen Ländern, z. B. Großbritannien, verteilte man daraufhin kostenlos Vitamin D-Präparate an die Bevölkerung.

Es ist nicht ganz einfach festzulegen, ob und in welchem Umfang eine solche Supplementierung Sinn ergibt. Bis heute ist sich die Wissenschaft nicht einmal einig, in welchen Größenordnungen der Körper überhaupt Vitamin D benötigt. Die Angaben von Befürwortern einer Supplementierung und Gegnern schwanken teils ganz enorm. Eher konservativ ausgerichtete Wissenschaftler orientieren sich an den Werten, ab denen Krankheitszeichen nicht mehr zu erwarten sind. Andere sehen weitere Vorteile durch eine deutlich höhere Zufuhr. Es mehren sich zumindest die Anzeichen, die für eine solche höhere Dosierung sprechen. Daher widmet sich die Forschung derzeit verstärkt den Fragen, ob eine höhere Vitamin D-Zufuhr neben der Mineralisierung von Knochen, wichtig im Kampf gegen die Osteoporose, u.a. auch positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem, die Muskulatur und das Gefäßsystem hat. Wie es um den eigenen Vitamin-D-Status bestellt ist, kann man übrigens testen lassen.

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