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European Championships: 4 Athleten beim IRONMAN Frankfurt unter 8:00 h

Pünktlich um 6:25 Uhr fiel beim IRONMAN Frankfurt der Startschuss für die männlichen Profis. Im Langener Waldsee ging es auf die erste Teildistanz. 3,8 km mussten schwimmend zurückgelegt werden. Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern stand ein langer, harter Tag bevor. Unter ihnen der amtierende Weltmeister Kristian Hogenhaug aus Dänemark und der Vorjahressieger Patrik Nilsson aus Schweden. Wenige Minuten nach den Männern gingen die weiblichen Profis ins Wasser, bevor schließlich Zug um Zug die Altersklassen dran waren.

Starke Attacke von Boris Stein

Aus deutscher Sicht war natürlich die Frage, wie würden sich Athleten wie Nils Frommhold, Boris Stein oder Paul Schuster schlagen. Bei den Frauen galt Daniela Bleymehl aus Darmstadt ohnehin als Top-Favoritin. Die hatte neben dem Sieg noch ein zweites erklärtes Ziel: endlich einen Marathon innerhalb der IRONMAN-Distanz unter 3 h zu laufen. Dass Carolin Lehrieder vor ihr aus dem Wasser stieg, spielte bei der starken Radfahrerin Bleymehl ohnehin keine Rolle.
Wenig überraschend verlief auch das Schwimmen bei den Männern. Weltmeister Kristian Hogenhaug kam mit unter einer Minute Rückstand auf Lukas Wojt in die Wechselzone. Der hatte allerdings schon im Vorfeld angekündigt, dass er auf der Radstrecke aussteigen würde und konnte beim Schwimmen entsprechend Druck machen.  Mit dabei auch Bradley Weiss, der bei seiner ersten IRONMAN-Teilnahme im April in Südafrika sensationell Zweiter werden konnte. In aussichtsreicher Position wechselte außerdem Nils Frommhold auf die Laufstrecke.
Während vorne die Post auf dem Rad abging und sich an der Spitze eine größere Gruppe bildete, geriet Boris Stein etwas aus dem Blick. Das änderte sich auf der zweiten Runde der Radstrecke schlagartig. Nach 140 km hatte der mehrfache deutsche Meister satte acht Minuten auf die Führungsgruppe aufgeholt. Er war mit einem riesigen Selbstvertrauen unterwegs und gab sich nicht damit zufrieden, den Anschluss gefunden zu haben, sondern flog geradezu an der Gruppe vorbei. Niemand konnte auf die starke Attacke reagieren.

Großes Verfolgerfeld im Nacken

Stattdessen baute Boris Stein seinen Vorsprung auf dem Rad ebenso aus wie Daniela Bleymehl bei den Frauen. Als der Athlet von der RSG Montabaur nach 5:09:45 auf die Laufstrecke wechselte, hatte er gut 4 Minuten auf die Spitzengruppe herausgefahren, obwohl er auf den letzten 10 km noch ein technisches Problem mit dem Rad hatte und sogar absteigen musste. Zudem saß ihm ein großes Verfolgerfeld im Nacken. Zeitweilig schien das Zelt in der Wechselzone zu klein zu werden.
Während alle Augen auf die Spitze gerichtet waren, gab es dahinter die ersten prominenten Ausfälle, darunter auch der Südafrikaner Bradley Weiss. Er hatte an einer Verpflegungsstelle eine Flasche zu spät angenommen und wurde den Regeln entsprechend disqualifiziert.
Beim Laufen spielte dann auf der ersten Hälfte Paul Schuster seine Stärke aus. Er hat erst kürzlich auf der 70.3 Distanz in Kraichgau beim abschließenden Halbmarathon mit rund 1:12:16 h eine absolute Klassezeit erreicht. Bei Kilometer 14 konnte er an Boris Stein vorbeiziehen. Entschieden war damit aber noch lange nichts. Dafür lag die Spitze zu dicht beieinander. Nach wenigen Kilometern übernahm der Franzose Denis Chevrot die Führung, obwohl er kurz zuvor noch eine Zeitstrafe kassiert hatte. Auf den dritten Rang schob sich der Pole Robert Wilkowiecki, der sich später auch gegen Paul Schuster durchsetzen konnte.
Auch Daniela Bleymehl konnte den Marathon nicht im Schongang absolvieren. Einmal abgesehen von ihrer persönlichen Zielsetzung, unter drei Stunden zu bleiben, rückte auch die Engländerin Nikki Bartlett mit zunehmender Laufdauer langsam näher heran. Deutlich dagegen der Abstand zur zunächst Drittplatzierten Katharina Grohmann aus Deutschland. Er betrug zeitweilig mehr als eine Viertelstunde. Dann der Schock. Daniela Bleymehl hatte bei einem noch immer komfortablen Vorsprung mit zunehmender Übelkeit zu kämpfen. Angekündigt hatten sich die Probleme bereits während des Radfahrens. Der IRONMAN Frankfurt war also ein höchst spannendes sportliches Event.

Streckenrekord beim Marathon

Derweil ließ sich Denis Chevrot nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. In bemerkenswerten 7:52:49 sicherte er sich beim Zieleinlauf am Römerberg den Europameistertitel, und stellte mit 2:38:45 h gleich noch einen neuen Streckenrekord beim Marathon auf.  Dabei sah er im Ziel ziemlich entspannt aus. Hinter ihm finishte Robert Wilkowiecki als erster Pole unter 8:00 Stunden einen IRONMAN Frankfurt und sicherte sich zudem das begehrte Hawaii-Ticket.
Clement Mignon, ebenfalls aus Frankreich, gelang es auf den letzten Kilometern, noch an Paul Schuster vorbeizuziehen. Auch er blieb unter der Schallmauer von 8:00 Stunden. Knapp dahinter Paul Schuster, der mit 7:59:06 h als vierter Teilnehmer unter 8:00 Stunden blieb. Weltmeister Kristian Hogenhaug wurde Fünfter. Ein Beleg dafür, wie hart es in Frankfurt zur Sache ging. Mit einer Gesamtzeit von 8:08:33 h blieben für Boris Stein am Ende ein 8. Platz und die Gewissheit, mit 4:10:29 h die mit Abstand beste Radzeit abgeliefert zu haben.
Daniela Bleymehl konnte sich ihren Wunsch vom PR auf der Marathonstrecke zwar an diesem Tag nicht erfüllen, aber sie hielt Nikki Bartlett bis ins Ziel auf Abstand. Mit einer Zeit von 9:02:48 h holte sie sich verdient den Sieg. Die Engländerin kam nach 9:05:15 h ins Ziel. Auf dem dritten Rang landete die Australierin Dimity-Lee Duke.


Bild: Boris Stein

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