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Kolumne zum Thema Gesundheitssport von Bernd Schranz, Gründer und 1.Vorsitzender das Reha Vitalis Plus e.V.

Der Gesundheitssport boomt, aber was sind eigentlich die Unterschiede zwischen Bodybuilding, Fitness- und Gesundheitstraining? Diese Frage beschäftigt mich schon seit Langem. Da ich seit fast 40 Jahren Gewichte ziehe und drücke und in die Pedale trete, ist das für mich, als intrinsisch motivierten Kraftsportler der sogar Spaß dabei hat, ein immer komplizierteres und undurchsichtigeres Thema. Früher war das Körperkult, heute ist es Fitness- oder Gesundheitssport. Für mich ist die Antwort einfach: kräftig, vital, beweglich, koordinativ und vor allem „alltagsstark“ zu bleiben. Aber was macht den Unterschied aus?

Den altgedienten Kollegen wird es da sicherlich ähnlich gehen, aber ich habe festgestellt, so einfach ist das heute nicht mehr. Oder liegt es daran, dass diese geballte Kompetenz heute nicht mehr vor Ort am Kunden arbeitet und wir dadurch Qualitätskriterien und Systeme brauchen um eine „Fitness- oder Gesundheitsqualität“ zu gewährleisten?

Die Begrifflichkeiten Bodybuildung, Fitness- und Gesundheitstraining

Schauen wir uns dazu einmal genauer an was hinter den Begrifflichkeiten steckt, oder wodurch zeichnet sich das Bodybuilding gegenüber dem Fitnesstraining und gegenüber dem Gesundheitstraining oder gar dem Begriff Sport aus?

Die Gerätschaften können es nicht sein, trainieren wir doch alle an Stationen, Geräten und mit Gewichten. Und wenn es nicht an den Geräten liegt, könnte ja die Intension oder der Umfang der Einheit den Unterschied ausmachen. Im Einzelfall sicher, aber vom Grunde her wohl kaum. Gesundheitssport hat vor allem was mit fachlicher Kompetenz und persönlicher Betreuung, sowie mit individuell angepassten Therapie- und Trainingsplänen zu tun, sowie mit einer gewissen Regelmäßigkeit zu tun.

Wo nun die fachliche Kompetenz in einem Gesundheitszentrum und bei jedem Trainer oder Therapeut anfängt gilt es noch festzulegen und in einheitlichen Kriterien und in einem QM/ DIN oder Zertifizierung zu hinterlegen. Hierbei sollte nicht nur der Ausbildungsgrad ein Kriterium sein, sondern die berufliche Erfahrung und vor allem nachweisbare und regelmäßige Fortbildungen.

Gesundheitssport bedarf auch eines gewissen Wordings. Denn es gilt eine Zielgruppe zu identifizieren/ erreichen, die bisher noch nicht den Weg zu uns gefunden hat und auf Marketing sowie Preisangebote nicht im Geringsten reagiert. Hier bewegen wir uns in Richtung der Therapie und genau da müssen wir mit unserem Wording, aber auch Dienstleistungsangeboten beginnen.

Gesundheitssport im Portrait

Gesundheit braucht Muskeltraining, darin sind wir uns so ziemlich Alle einig, aber damit Training zu Gesundheitssport wird, bedarf es noch einiger andere Punkte:

Definition

  • Detaillierte Definition ist schwierig
  • Denn je nach Beschwerden kann die Gestaltung der einzelnen Trainingseinheiten deutlich variieren

Was macht Gesundheitssport gegenüber Fitnesstraining aus?

  • Fürsorgliche Betreuung
  • Fachliche Anleitung
  • Regelmäßigkeit
  • Gezieltes auf die Beschwerden ausgerichtetes Training

Was ist kein Gesundheitssport? 

  • Bewegung wie z.B. Schwimmen, Radfahren, Spazieren gehen tut der Gesundheit gut, aber dort fehlt die Anwendung der Trainingsregeln und ist somit nur zu einem weiter gefassten Rahmen zum Gesundheitssport zu zählen.
  • Ziehen und drücken an Geräten…
  • Auch Rehasport ist mit dem Gesundheitssport nicht gleich zu setzen, denn dieser bildet lediglich eine Unterkategorie des Supernyms.

Wirkung? 

  • Ausübung zur Regeneration
  • Schmerz- und Beschwerde Linderung
  • Korrektur von Haltungsschäden
  • Ausübung zur Prävention
  • Ausübung für mehr Vitalität im Alltag

Wer sagt was Gesundheitssport ist und für wen ist er geeignet? 

  • Kann vom Arzt verschrieben werden
  • Ist nicht verschreibungspflichtig
  • Richtet sich an alle Altersklassen und nicht nur an „Ältere“, z.B. auch an Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene mit z.B. Skoliose, Bandscheibenvorfall, Kreislaufschwäche…

Was beinhaltet Gesundheitssport? 

  • Zirkel aus Übungen, welche effizient auf das Lindern gesundheitlicher Problematiken zugeschnitten sind:
    • Kraft
    • Ausdauer
    • Beweglichkeit
    • Koordination

Wording im Gesundheitssport

  • fachl. betreute Einheiten (Kurse, Small Groups, KGG, PT)
  • zeitlich terminierte Einheiten (Kurse, Small Groups, KGG, PT)
  • Therapiepläne
  • Verlängerung der Behandlungszeit
  • Anschluss Heilbehandlung
  • Therapie Vereinbarung

Ziele

  • Wiedererlangen/ Aufrechterhalten der Vitalität
  • Lebensqualität deutlich steigern und sichern
  • Wohlbefinden (re)generieren
  • Körperlicher und physischer Ausgleich
  • Stress reduzieren
  • Sozialverhalten stärken

Fazit

„Es darf nicht nur Gesundheitssport draufstehen…

es muss auch Gesundheitssport drin sein!!“

… und danach sollte gehandelt werden.

Meiner Meinung nach ist es noch ein weiter Weg, um dem Begriff Gesundheitssport eine Definition und belastbare Kriterien zu geben, sodass sich Anbieter und Kunden daran orientieren können. Eines kann ich aber schon sagen, dieser Weg lohnt sich schon heute, wenn die Bereitschaft da ist, verschiedene Verhaltensweisen aus Fitness und Therapie zu verabschieden. Belastbare Zahlen dazu werde ich in einer der folgenden Kolumnen veröffentlichen und belegen, dass Betriebe zum Ende des Jahres 2021 wieder an das Referenzjahr 2019 angeschlossen haben und das in Sachen Verordnungen, Teilnehmerzahlen, Zusatzabos und Mitgliedschaften.

Bild: Shutterstock 1893469822

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