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Es ist bekannt, dass körperliche Aktivität einen positiven Einfluss auf die mentale Gesundheit hat und die kognitive Funktion des Gehirns verbessern kann. In den letzten Jahren wurden mehrere klinische Studien durchgeführt, um zu untersuchen, ob die Alterung des Gehirns durch regelmäßige körperliche Aktivität langsamer vorangeht.   

Wirkung körperlicher Aktivität auf das Gehirn

Körperliche Aktivität wirkt sich auf drei Arten auf das Gehirn aus:

  1. Erhöhung des im Gehirn zirkulierenden Blutvolumens
  2. Volumenerhöhung des Hippocampus
  3. Die Neurogenese 1

Die Durchblutung des Gehirns ist bekanntlich einer der wichtigsten Faktoren, die zur kognitiven Funktion und zur allgemeinen Gesundheit des Gehirns beitragen. In jüngster Zeit wurden mehrere Studien durchgeführt, die zeigen, dass bei körperlichen Übungen die Durchblutung des Gehirns zunimmt. In einigen Studien wurden Teilnehmer mit mäßigem Gedächtnisverlust aufgefordert, ein Jahr lang körperliche Übungen durchzuführen.2

Als Ergebnis wurde eine Zunahme des Blutflusses zum Gehirn der Teilnehmer beobachtet, die mit einer deutlichen Verbesserung des Gedächtnisses einherging. Ähnliche Studien zeigten eine Verbesserung der kognitiven Funktion der Teilnehmer, die nach körperlichen Übungen ebenfalls eine erhöhte Durchblutung des Gehirns aufwiesen.3

Vergrößerter Hippocampus durch körperliche Aktivität

Diese Ergebnisse stehen in engem Zusammenhang mit der zweiten positiven Auswirkung der körperlichen Aktivität auf das Gehirn, und zwar der Vergrößerung des Hippocampus. Die Lern- und Gedächtnisfunktionen des Gehirns wird hauptsächlich gewährleistet von einer komplexen Struktur im mittleren unteren Teil des Gehirns, dem Hippocampus. Diese Struktur ist nicht nur an der Gedächtnisfunktion beteiligt, sondern unterliegt im Zuge der Alterung auch zerstörerischen Prozessen. Diese Prozesse schädigen die kognitive Funktion des Gehirns.4 Andererseits kann eine Vergrößerung des Hippocampus-Volumens den Rückgang der Gehirnfunktionen im Alter verlangsamen.5,6 In der Studie führten die Teilnehmer ein Jahr lang regelmäßig körperliche Bewegungen durch, und das Endergebnis war eine Vergrößerung des Hippocampus-Volumens aufgrund eines besseren Gefäßflusses und einer besseren trophischen Unterstützungsfunktion.5

Neue Nervenzellen

Die dritte Auswirkung der körperlichen Betätigung auf das Gehirn besteht in der Steigerung der Neurogenese, was nach der Wort-zu-Wort-Übersetzung aus dem Griechischen die „Geburt neuer Nervenzellen“ bedeutet. Mit anderen Worten, es handelt sich um die Entstehung neuer funktioneller Nervenzellen im Hippocampus aus den dort vorhandenen neuronalen Stammzellen. Es zeigte sich, dass eine Steigerung der körperlichen Aktivität auch den Ersatz von Nervenzellen durch neue Zellen beschleunigt und unterstützt. Das wiederum fördert das Gedächtnis und die kognitive Funktion des Gehirns.7 Im Gegensatz dazu sind neurodegenerative Erkrankungen durch den Verlust von Nervenzellen, die Verkleinerung des Hippocampus, die Beeinträchtigung des Blutflusses sowie die Verhinderung der Bildung neuer Nervenzellenverbindungen gekennzeichnet. Das wird als Plastizität bezeichnet.  

Körperliche Aktivität gegen Alzheimer

Eine der am meisten untersuchten Krankheiten, die durch körperliche Übungen verhindert und sogar behandelt werden kann, ist Alzheimer. Die Alzheimer-Krankheit ist eine chronische neurodegenerative Erkrankung, die hauptsächlich durch kognitive Störungen und auch Verhaltensstörungen gekennzeichnet ist. Da ein Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und der Verbesserung der allgemeinen Gehirnfunktion besteht, wurde in mehreren Studien ein möglicher umgekehrter Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und dem Risiko, an Alzheimer zu erkranken, untersucht.

Körperliche Bewegung verbessert die kognitiven Fähigkeiten von Erwachsenen mit Alzheimer. Dies ergab eine Metaanalyse von 13 Studien aus mehreren Ländern mit insgesamt 673 Teilnehmern mit diagnostizierter Alzheimer-Erkrankung.8 Andere Studien zeigten, dass körperliche Aktivität das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um 45 % senkt. Körperliche Inaktivität hingegen gehört zu den größten Risikofaktoren für eine Alzheimer-Erkrankung.9

Eine in Deutschland durchgeführte Langzeit-Bevölkerungsstudie basierte auf eigenen Angaben der körperlichen Aktivität der Teilnehmer. Sie zeigte ebenfalls, dass Menschen mit regelmäßiger körperlicher Aktivität eine bessere neurologische Leistungsfähigkeit zeigen. Dadurch sinkt das Risiko der Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen.10

Fazit

Die aus den verschiedenen Studien und klinischen Untersuchungen gewonnenen theoretischen und experimentellen Erkenntnisse sind eindeutig. Regelmäßige körperliche Aktivität fungiert sowohl als Verbesserung der Alltagsleistung der Menschen in Bezug auf Kognition, Gedächtnis und Lernen, als auch als Schlüsselrolle in der Prävention neurodegenerativer Erkrankungen. 

Quellen:

  1. https://journals.lww.com/acsm-csmr/Fulltext/2017/01000/Alzheimer_s_Disease_and_Exercise__A_Literature.9.aspx
  2. https://www.utsouthwestern.edu/newsroom/articles/year-2021/exercise-boosts-blood-flow-to-the-brain.html
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4587595/
  4.  https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0149763416307667
  5.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4766381/
  6.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3072565/
  7. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0891061818302291
  8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6604129/
  9. https://www.cambridge.org/core/journals/psychological-medicine/article/abs/physical-activity-and-risk-of-neurodegenerative-disease-a-systematic-review-of-prospective-evidence/5FB109E05E85CF701F11FB6DBA9AE9B3
  10. https://content.iospress.com/articles/journal-of-alzheimers-disease/jad110548

Bild: shutterstock_1768932851

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