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Laut dem Bericht „Food Environment Policy Index (Food-EPI)“ der LMU München schneidet die deutsche Ernährungspolitik mangelhaft ab. Kein einziges von insgesamt 47 Merkmalen zur Förderung gesunder Ernährung wurde in Deutschland als „Sehr Gut“ eingestuft. Dazu zählen u.a. Lebensmittelangebote in Einzelhandel und Gastronomie sowie die Preisgestaltung von Lebensmitteln.

Alarmierende Zahlen

Über die Hälfte der Deutschen ist übergewichtig, circa 25% sogar stark übergewichtig, also adipös. Das sind bedrohliche Zahlen, die durch politische Maßnahmen dringend berücksichtigt werden sollten. Doch weit gefehlt – die Maßnahmen der deutschen Politik sind im Vergleich mit anderen Ländern im Food-EPI mangelhaft. Zu den Bewertungsmerkmalen der Autoren gehörten unter anderem Maßnahmen und Regelung zu Lebensmittelkennzeichnung, -werbung, Preisgestaltung, sowie Angebote in öffentlichen Einrichtungen.

In nur zwei von insgesamt 47 Merkmalen, der Ausgangslage für gesunde Ernährung, erreichte Deutschland laut Ergebnisbericht des Food-EPI die Bewertung „Mittel“. Dazu zählt die politische Führungslage und offizielle Ernährungsempfehlungen, sowie Datensammlung, -auswertung und -nutzung. Als „Niedrig“ wurden unter anderem Bereiche wie Lebensmittelkennzeichnung, Lebensmittelangebote in öffentlichen Einrichtungen, Nährwertzusammensetzungen, internationaler Handel und Investitionen eingestuft. Die Bewertung „Sehr niedrig“ erhielten die Bereiche Lebensmittelangebot in Einzelhandel und Gastronomie, Regulierung von Lebensmittelwerbung und -marketing und Lebensmittelpreisgestaltung. In diesen Bereichen besteht in Deutschland wohl ein deutlicher Rückstand, der dringender Aufarbeitung bedarf.

Seit der Nationalen Verzehrstudie 2 von 2005-2007 gibt es keine maßgebliche Veränderung des Ernährungsverhaltens der Deutschen, ebenso wenig, wie ein Rückgang von Adipositas und Diabetes Mellitus Typ 2.1 Diese Erkrankungen sind hauptsächlich ernährungsbedingt. Die deutsche Politik scheint bislang also eher zuzusehen, als wirklich weitreichende Maßnahmen zu ergreifen.

Vitales langes Leben durch gesunde Ernährung

Die Regulation der Ernährung ist eins der wichtigsten Mittel, viele Zivilisationskrankheiten und die Zahl der ernährungsbedingten Todesfälle drastisch zu reduzieren. Doch in einer Welt mit Fastfood-Ketten, mehr Convenience Produkten statt frischen Lebensmitteln im Supermarkt und massenhafter Werbung für ungesunde Produkte mag es wohl dem Großteil der Bevölkerung schwerfallen, sich langfristig gesund und ausgewogen zu ernähren. Auch wenn wir wissen, dass der Schokoriegel uns nichts Gutes tut, ist er doch meist leichter verfügbar als ein Apfel.

Durch den Food-EPI sollen Regierung darauf aufmerksam gemacht werden, welche Maßnahmen nötig sind, um das Ernährungsverhalten der Bevölkerung langfristig zu verbessern.

Richtlinien in Deutschland

Insgesamt weisen Maßnahmen in Deutschland im internationalen Vergleich erhebliche Lücken auf. Viele mögliche Maßnahmen wurden bislang nicht umgesetzt oder gesetzlich festgelegt. So gibt es beispielsweise keine festgelegten Grenzwerte für Zucker, Salz und gesättigte Fettsäuren. Kinderkekse für Kinder ab 6 Monate weisen bis zu 26g Zucker/100g auf, was in Deutschland erlaubt ist. Auch ein Verbot für Werbung von ungesunden Lebensmitteln gibt es bislang nicht, ebenso wenig, wie die Besteuerung von ungesunden Lebensmitteln.

Dabei gelten nicht alle verarbeiteten Lebensmittel gleich als ungesund. Einen hohen Qualitätsstandard von Sportprodukten liefert beispielsweise der Sporternährungsprodukte-Hersteller inkospor. Durch die Muttergesellschaft Nutrichem Diät+Pharma GmbH, als Hersteller von Arzneimitteln, kann Forschung, Entwicklung, Produktion und Qualitätssicherung der Produkte auf höchstem Standard im gleichen Haus erfolgen. In Deutschland produziert, sorgen kurze Versandwege auch noch für einen positiven ökologischen Fußbadruck.

Gesunde Lebensmittel teurer als Ungesunde

Dass gesunde Lebensmittel gleich besteuert sind, wie ungesunde verarbeitete Produkte trägt dazu bei, dass frische und gesunde Lebensmittel stattliche Preise erreicht haben. So empfiehlt die WHO eine gesenkte Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel und die Steuererhöhung auf fett-, zucker- und salzhaltige Produkte. Auf diese Weise würden Familien mit begrenzten finanziellen Mitteln nicht bei einer gesunden Ernährungsweise benachteiligt, denn laut RKI sind Kinder aus ärmeren Familien deutlich mehr gefährdet an Adipositas zu leiden.2

Die Tabaksteuer hat gezeigt, wie sich der ungesunde Konsum verändern kann: Von 1995 bis 2018 hat sich die Zahl der Raucher nahezu halbiert.3 Möglicherweise ist ein solcher Ansporn auch bei Nahrungsmitteln dringend notwendig, um die Masse der deutschen Bevölkerung Stück für Stück zu gesunder Ernährung zu bewegen.

Apropos Mehrwertsteuer

Das Thema scheint sich durch unsere Branche zu ziehen. Denn auch bei den Fitness- und Gesundheitsdienstleistern ist bisher keine Mehrwertsteuersenkung in Sicht. Mit einer Senkung könnte die deutsche Politik ein Zeichen setzen, die Fitnessbranche als Mehrwert zur Gesundheitsförderung der Bevölkerung anzuerkennen. Fitnessstudio Mitglieder würden einen steuerlichen Vorteil erhalten, dafür, dass sie sich mit Bewegung fit und gesund halten.

Fazit

Die neue Bundesregierung muss sich im Kampf gegen ernährungsbedingte Volkskrankheiten einsetzen und allgemeingültige Richtlinien einführen, gesunde Lebensmittel für Jeden zugänglich machen und eine gesunde Ernährungsweise der Bevölkerung zu unterstützen. Aufklärung in Schulen muss großgeschrieben werden, um bereits im Kindesalter die Weichen für gesunde Ernährung zu stellen.

Quellen:

  1. Food-EPI_Germany_Evidence_Report.pdf (jpi-pen.eu)
  2. Auswirkungen von Armut auf den Gesundheitszustand und das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen (rki.de)
  3. Raucherquote bei Erwachsenen – Jetzt rauchfrei werden (rauchfrei-info.de)
  4. Microsoft Word – Food-EPI Ergebnisbericht_V10 (jpi-pen.eu)

Bild: shutterstock_1810589572