Gesund altern ist kein Zufall

Warum am Lanserhof Sylt medizinische Diagnostik und gezieltes Training zusammengehören

Kraft, Muskelmasse, Beweglichkeit und Gleichgewicht sind entscheidende Voraussetzungen, um auch im höheren Alter leistungsfähig und selbstständig zu bleiben. Doch wie lässt sich Training so gestalten, dass es nicht nur kurzfristig fitter macht, sondern langfristig die Gesundheit unterstützt? Im Lanserhof Sylt werden moderne medizinische Diagnostik, Physiotherapie und individuelles Training miteinander verbunden. Simon Krzizok gehört dort zu den Sportwissenschaftlern und erklärt im Interview mit Fitness-News-Germany, warum eine genaue Analyse der körperlichen Voraussetzungen so wichtig ist, welche Rolle gezieltes Krafttraining für gesundes Altern spielt und wie sich die Fortschritte langfristig in den Alltag übertragen lassen.

„Simon, was unterscheidet Eure Arbeit am Lanserhof von klassischem Personal Training oder der Physiotherapie?“

Simon Krzizok: „Der wesentliche Unterschied liegt für uns in der medizinischen Einbettung des Trainings. Wir betrachten Bewegung nicht isoliert, sondern als Teil eines ganzheitlichen Gesundheits- und Longevity-Konzepts. Bevor wir Trainingsreize setzen, möchten wir verstehen, wo ein Gast körperlich steht, welche gesundheitlichen Voraussetzungen bestehen und welche Ziele langfristig sinnvoll sind.

Dabei geht es nicht ausschließlich darum, fitter oder leistungsfähiger zu werden. Wir wollen körperliche Ressourcen möglichst lange erhalten und gezielt verbessern, beispielsweise Kraft, Muskelmasse, Mobilität, Koordination und Ausdauer.

Gleichzeitig bewegen wir uns an der Schnittstelle zwischen Medizin, Physiotherapie und Training. Die Physiotherapie behandelt beispielsweise bestehende funktionelle Einschränkungen oder Beschwerden, während wir im Training darauf aufbauen und den Körper wieder zunehmend belastbarer machen. So entsteht im Idealfall eine durchgängige Betreuung von der medizinischen Diagnostik über die Therapie bis hin zum individuell gesteuerten Training.“

„Welche Tests und Messwerte nutzt Ihr, um das Training individuell auf den Gast abzustimmen?“

Simon Krzizok: „Eine fundierte Diagnostik ist für uns die Grundlage, um Training wirklich individuell und zielgerichtet steuern zu können. Dabei geht es nicht nur darum, einzelne Leistungswerte zu erheben, sondern ein möglichst umfassendes Bild der körperlichen Voraussetzungen eines Gastes zu bekommen.

Im Bereich der Kraftdiagnostik arbeiten wir unter anderem mit dem VALD ForceFrame. Damit können wir verschiedene Muskelgruppen objektiv messen und beispielsweise Kraftunterschiede zwischen der rechten und linken Körperseite erkennen. Solche Asymmetrien können für die Trainingsplanung ebenso relevant sein wie die absolute Kraftleistung.

Ergänzend führen wir eine Handkraftmessung durch. Die Griffkraft ist ein einfach zu erhebender, aber sehr aussagekräftiger funktioneller Parameter und für uns insbesondere im Kontext von Healthy Aging und dem langfristigen Erhalt körperlicher Leistungsfähigkeit interessant.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Bioimpedanzanalyse (BIA). Sie ermöglicht uns eine differenzierte Betrachtung der Körperzusammensetzung, insbesondere von Muskelmasse und Körperfett. Gerade im Longevity-Kontext ist die Entwicklung beziehungsweise der Erhalt der Muskelmasse von besonderer Bedeutung. Die Messung hilft uns dabei, die Ausgangssituation zu erfassen und Veränderungen im Verlauf objektiv zu begleiten.

Für die Beurteilung des Gleichgewichts und der Körperkontrolle nutzen wir unter anderem das Technobody-System und den BESS-Test. Dadurch können wir die Gleichgewichtsfähigkeit differenzierter erfassen und mögliche Defizite gezielt in die Trainingsplanung einbeziehen. Gerade mit zunehmendem Alter spielen Gleichgewicht, Koordination und Sturzprävention eine wichtige Rolle für den Erhalt der Selbstständigkeit.

Mit den VALD ForceDecks können wir darüber hinaus dynamische und reaktive Fähigkeiten untersuchen. Dabei betrachten wir beispielsweise, wie schnell und effektiv Kraft entwickelt, aufgenommen und wieder abgegeben werden kann. Das ergänzt die klassische Kraftmessung um die Frage, wie gut die vorhandene Kraft in dynamischen Situationen tatsächlich genutzt werden kann.

Ein weiterer Baustein im Longevity-Kontext ist die Knochendichtemessung mit Echolight. Sie liefert zusätzliche Informationen zur Knochengesundheit und ermöglicht es uns, diesen wichtigen Aspekt des gesunden Alterns bei der Bewegungs- und Trainingsstrategie zu berücksichtigen.

Entscheidend ist für uns jedoch nie ein einzelner Testwert. Erst die Kombination aus Körperzusammensetzung, Kraft, Gleichgewicht, Reaktivität, Knochengesundheit und medizinischer Diagnostik ergibt ein Gesamtbild. Auf dieser Basis können wir Trainingsschwerpunkte individuell definieren, Belastungen gezielt dosieren und Entwicklungen im weiteren Verlauf objektiv nachvollziehen.“


„Wie eng arbeiten Sport, Physiotherapie und Medizin bei Euch zusammen?“

Simon Krzizok: „Diese Zusammenarbeit ist ein zentraler Bestandteil unseres Ansatzes. Gerade in einem medizinischen Longevity-Konzept kann Training aus unserer Sicht nicht losgelöst von Diagnostik und Therapie betrachtet werden.

Medizinische Untersuchungen liefern uns wichtige Informationen über den Gesundheitszustand und mögliche Risikofaktoren. Die Physiotherapie beurteilt unter anderem funktionelle Einschränkungen, Beschwerden und Bewegungsmuster. Im Sportbereich übersetzen wir diese Informationen anschließend in eine angemessene Belastungs- und Trainingsstrategie.

Der große Vorteil liegt in den kurzen Wegen zwischen den Disziplinen. Wenn wir während des Trainings beispielsweise Auffälligkeiten oder Beschwerden feststellen, können diese wieder mit Physiotherapie oder Medizin rückgekoppelt werden. Umgekehrt können medizinische oder physiotherapeutische Erkenntnisse unmittelbar Einfluss auf die Trainingsgestaltung nehmen.“


„Welche Rolle spielen Kraft, Muskelmasse und Beweglichkeit für gesundes Altern?“

Simon Krzizok: „Eine sehr große. Gerade Muskelmasse und Muskelkraft werden im Zusammenhang mit gesundem Altern häufig unterschätzt. Mit zunehmendem Alter verlieren wir ohne entsprechende Gegenmaßnahmen Muskelmasse und vor allem Muskelkraft. Genau hier kann gezieltes Krafttraining einen wichtigen Beitrag leisten.

Dabei geht es nicht um möglichst große Muskeln. Entscheidend ist, dass wir körperliche Kapazität und Reserven aufbauen. Alltägliche Bewegungen wie Treppensteigen, Aufstehen, das Tragen von Gegenständen, das Halten des Gleichgewichts oder das Abfangen eines Sturzes hängen unmittelbar mit Kraft und neuromuskulärer Leistungsfähigkeit zusammen.

Auch Mobilität und Beweglichkeit gehören dazu. Beweglichkeit allein reicht allerdings nicht aus. Wir möchten, dass ein Mensch einen möglichst großen Bewegungsumfang auch aktiv kontrollieren und unter Belastung nutzen kann.

Longevity bedeutet für uns deshalb nicht nur, möglichst lange zu leben. Entscheidend ist die sogenannte Healthspan, also möglichst viele Lebensjahre bei guter Gesundheit, körperlicher Leistungsfähigkeit und Selbstständigkeit. Bewegung und insbesondere ein sinnvoll dosiertes Krafttraining sind dafür wichtige Bausteine.“


„Was gebt Ihr den Gästen mit, damit sie die Fortschritte auch zu Hause langfristig erhalten können?“

Simon Krzizok: „Der Aufenthalt bei uns kann immer nur ein Ausgangspunkt sein. Entscheidend ist, was anschließend im Alltag passiert. Deshalb versuchen wir, den Gästen nicht möglichst viele Übungen mitzugeben, sondern die richtigen.

Ein Trainingskonzept muss realistisch in das jeweilige Leben passen. Für manche bedeutet das zwei oder drei strukturierte Trainingseinheiten pro Woche, für andere zunächst mehr Bewegung im Alltag kombiniert mit wenigen gezielten Kraft- und Mobilitätsübungen.

Uns ist außerdem wichtig, dass die Gäste verstehen, warum sie etwas tun. Wer verstanden hat, weshalb beispielsweise Krafttraining, regelmäßige Bewegung oder bestimmte Übungen für die eigene Gesundheit relevant sind, kann langfristig wesentlich selbstständiger damit umgehen.

Das Ziel ist daher nicht, eine kurzfristige Spitzenleistung während des Aufenthalts zu erreichen. Wir möchten einen Impuls setzen, der sich langfristig fortführen lässt. Im besten Fall verlässt ein Gast das Haus nicht nur mit besseren Werten, sondern mit einem klaren Verständnis dafür, welche körperlichen Stellschrauben für die eigene Gesundheit und das gesunde Altern besonders relevant sind.“

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