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Arnold Schwarzenegger zum 75.

„Für manche Menschen steht nichts geschrieben“, sagt Omar Sharif als Sherif Ali Ibn El Kharisch in dem 1962 gedrehten Monumentalfilm „Lawrence von Arabien“ zur von Peter O’Toole verkörperten Titelfigur. Auf wenige Menschen trifft dieses Zitat so treffend zu wie auf Arnold Schwarzenegger. Immer wieder ist es ihm gelungen, durch Beharrlichkeit, Einsatzbereitschaft und Willenskraft in den unterschiedlichsten Bereichen Maßstäbe zu setzen, obwohl ihm dieser erfolgreiche Lebensweg kaum in die Wiege gelegt worden ist.
Alles begann am 30. Juli 1947 in einem kleinen Ort ganz in der Nähe von Graz. Hier, wo man die große, weite Welt in diesen ersten Nachkriegsjahren nur vom Hörensagen kennt und Amerika unendlich fern erscheint, wird an diesem Tag der zweite Sohn von Aurelia und Gustav Schwarzenegger geboren. Niemand ahnt, dass wenige Jahre später die ganze Welt ihn bei seinem Vornamen kennen würde: Arnold.

Die österreichische Eiche

Anfang der 1960er Jahre kommt Arnold Schwarzenegger erstmals mit dem Kraftsport in Berührung kommt. Er selbst beschreibt diesen Moment später in seiner autobiografischen Erinnerung „Die Karriere eines Bodybuilders“ als Ereignis, das sein komplettes Leben schlagartig veränderte und ihm eine völlig neue Richtung gab. Fortan lebt und atmet er für seine sportlichen Fortschritte.  Jetzt werden auch gravierende Unterschiede zu Gleichaltrigen offensichtlich. Keine Mühe und kein Opfer erscheinen ihm zu groß, um seinen neuen Vorbildern nachzueifern. Schon als Jugendlicher braucht er niemanden, der ihn motiviert. Ganz im Gegenteil: Seine Begeisterung und das Feuer, das in ihm brennt, stecken schon damals auch andere an.
Mehr als 50 Jahre sind vergangen, seit Arnold bei seinem ersten größeren Wettkampf, dem „Junioren Mr. Europa“ in Stuttgart den Grundstein für seine atemberaubende sportliche Karriere legt. Er kam, sah und siegte. Aber nicht nur das. Mit diesem einen Auftritt, für den der damalige Panzerfahrer des österreichischen Heeres sogar eine Disziplinarstrafe wegen unerlaubter Abwesenheit in Kauf nimmt, macht er die einflussreichsten Männer der europäischen Kraftsportszene auf sich aufmerksam.
Bereits im zweiten Anlauf wird Arnold zwei Jahre später Mr. Universum der Amateure und wenig später sitzt er im Flieger nach Kalifornien. Dort wird aus Arnold die österreichische Eiche. Der Weg zur Bodybuilding-Legende ist frei, denn nur Amerika bietet in jenen Jahren die Möglichkeiten, in diesem Sport zum Weltstar heranzuwachsen. In den nächsten Jahren reiht sich ein Sieg an den anderen.

Immer über den Tellerrand geblickt

Bis Mitte der 1970er Jahre dominiert er das Bodybuilding nach Belieben. Zwischen 1970 und 1975 wird er sechsmal in Folge Mr. Olympia. Ungeschlagen tritt er nach seinem letzten Wettkampf in Südafrika zurück. Fünf Jahre später dann die Sensation. Als niemand mehr mit einem Comeback rechnet, kehrt der Wahl-Kalifornier 1980 bei der Mr. Olympia-Wahl in Sydney auf die Bühne zurück. Wieder verlässt er sie als Sieger.
Mit diesem Triumph ist seine sportliche Laufbahn endgültig beendet. Doch zu diesem Zeitpunkt ist der weitere Weg längst vorprogrammiert. Schon während seiner Wettkampf-Phase hat Arnold immer über den Tellerrand geblickt. Während die Mehrzahl seiner Konkurrenten bestenfalls der verschworenen Gemeinschaft von Bodybuilding-Insidern bekannt ist, hat sich Arnold in den 70er Jahren längst einen Namen außerhalb der Szene gemacht. Er hat erste Rollen in Filmen wie „Herkules in New York“ und „Pumping Iron“ übernommen. Sein Bekanntheitsgrad wächst stetig.

Pumping Iron

Bereits 1976 erhält Arnold den „Golden Globe“ als bester Nachwuchsdarsteller für seine Rolle in „Stay Hungry“ (Mr. Universum). Der Film erzählt die Geschichte eines verwöhnten jungen Mannes, der das Leben als fortwährendes Spiel betrachtet und der erst beginnt, richtig erwachsen zu werden, als er auf den österreichischen Einwanderer und Mr. Universum-Aspiranten Joe Santo (Arnold Schwarzenegger) und dessen Freunde trifft.
Den ersten großen Durchbruch bringt ihm allerdings erst der nächste Film „Pumping Iron“, der die Bodybuilding-Szene, die damals auch in den USA nur ein Schattendasein führt, dokumentarisch beleuchtet. Die Kritiker überschlagen sich vor Begeisterung. Und der Mann aus dem kleinen Ort Thal weiß sich auch in dieser Welt durchzusetzen. Nicht nur für Arnold wird „Pumping Iron“ zum Glücksfall. Der Erfolg des Films löst den weltweiten Studio-Boom aus. Was wenige Jahre zuvor noch abfällig belächelt wurde, ist auf einmal schick. Jetzt will jeder einen gestählten Body haben. Man kann sich plötzlich als Bodybuilder outen, ohne sich dumme Sprüche anhören zu müssen.
Doch für den Verantwortlichen ist auch „Pumping Iron“ nur eine, wenn auch wichtige, Durchgangsstation. Weitere Gastspiele bei Film und Fernsehen folgen. So neben Kirk Douglas und Anne Margret als „Handsome Stranger“ in Kaktus Jack. In der deutschen Fassung wird daraus der wenig originelle „‚Schönchen Fremder“. In der „Jayne Mansfield Story“ überzeugt Arnold in der Rolle des Ex-Mr. Universum Mickey Hargitay, der in den 1960er Jahren mit dem amerikanischen Sexsymbol Jayne Mansfield verheiratet war.
Etwa um diese Zeit kommen die ersten Gerüche auf, dass Arnold die Hauptrolle in einem urzeitlichen Monumental-Epos übernehmen soll. Vielleicht der entscheidende Kick, den er jetzt benötigt, um in die erste Liga der Hollywood-Stars aufzusteigen.

Conan

1982 ist es so weit. Als Cimmerioner Conan nimmt Arnold Schwarzenegger nach entbehrungsreichen Jahren der Sklaverei und bestialischen Gladiatorenkämpfen den Kampf gegen die Mörder seiner Eltern auf. Und endlich hat er damit seine Paraderolle gefunden. Niemand kann den übermenschlichen Krieger, der seine Feinde mit gnadenloser Gewalt und ohne jeden Anflug menschlicher Regung niedermetzelt, besser verkörpern als er. Die Zuschauer sind begeistert. Für Arnolds Hollywood Karriere wird Conan zu einem Meilenstein.

Terminator

Zwei Jahre später gelingt ihm der Sprung vom Super- zum Megastar. War Conan ihm schon auf den muskulösen Leib geschnitten, so wird die Rolle des Terminators in James Camerons Endzeitspektakel zu seiner Berufung. Als aus der Zukunft ins Los Angeles des Jahres 2029 gereister „Maschinenmensch“ macht er Jagd auf Sarah Connor, um zu verhindern, dass sie einen Sohn, den zukünftigen Retter der menschlichen Rasse, zur Welt bringt. Auf unnachahmliche Weise gelingt es Arnold, der Rolle des todbringenden, von Robotern gezüchteten kybernetischen Organismus gerade so viel Leben einzuhauchen, dass weltweit in den Kinos etwas Unglaubliches geschieht. Die seit den Anfängen des Kintopps auf den Sieg des guten Helden programmierten Kinobesucher bejubeln frenetisch die eiskalte Killermaschine. Die Klamotten sind cool, und der Typ ist noch cooler.

Ein Gouverneur und seine Fans

Zahlreiche Blockbuster weiter erfolgt der Schritt in die Politik.  Viele seiner jungen Fans wissen zu diesem Zeitpunkt bestenfalls vom Hörensagen, dass der immer noch gewaltige Hollywood-Star einmal das Aushängeschild des Bodybuildings war. So wirklich etwas darunter vorstellen können sie sich wohl nicht. Wozu auch, ihr Idol gehört ja selbst nicht zu denen, die ständig zurückblicken. Kaum ist er in einem Lebensbereich auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft angelangt, bastelt er schon an der nächsten Karriere.
Und als Gouverneur von Kalifornien arbeitet er sich natürlich nicht durch die politischen Hierarchien, sondern startet gleich von oben durch.  Die Menschen haben ihn gewählt, weil er eben nicht als einer jener Berufspolitiker angetreten ist, die darauf gedrillt sind, viel zu reden, aber nichts zu sagen.  Arnold Schwarzenegger setzt auf Handeln, statt reden: Auch als Gouverneur von Kalifornien hat er diese Herausforderung gemeistert!
Mittlerweile hat er ein Alter erreicht, in dem andere Menschen längst die Beine hochgelegt haben, um den wohlverdienten Ruhestand zu genießen. Für ihn ist das keine Option.

Hasta la vista, Baby! Alles Gute zum 75. Geburtstag, Arnold!

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