Blutzucker

Normwerte:

Tabelle 1: STADA Arzneimittel AG (o. J.): URL: https://www.stada-diagnostik.de/diabetes/blutzucker-ratgeber/blutzuckerspiegel/habe-ich-einen-normalen-blutzuckerspiegel.html. (Abruf: 11.04.2020).

Hormone:

Die wichtigsten Hormone der Blutzuckerregulation im menschlichen Körper sind Insulin und Glukagon. Diese Hormone fungieren als Agonist und Antagonist. Beide Hormone befinden sich in der Bauchspeicheldrüse, Glukagon befindet sich in den A-Zellen und Insulin in den B-Zellen der Langerhans-Inseln.

Insulin wird freigesetzt wenn die Nährstoffkonzentration im Blut ansteigt. Insulin senkt die Konzentration dieser Stoffe und wirkt somit blutzuckersenkend, indem es den Eintritt der Glukose in die Körperzellen erleichtert und beschleunigt.

Glukagon, als Antagonist des Insulins, erhöht den Blutzuckerspiegel durch Anregung des Glykogenabbaus und wirkt sowohl eiweißabbauend als auch fettfreisetzend.

Weitere Hormone, die eine Rolle in der Regulation des Blutzuckers spielen, sind Glucocorticoide, welche den Blutzuckerspiegel erhöhen, sowie Adrenalin und Noradrenalin, die eine Energiebereitstellung durch Glykogenolyse und Lipolyse bewirken. Auch Schilddrüsenhormone wie Thyroxin beeinflussen die Blutzuckerregulation. Bartels, R., Bartels, H. (2004): Physiologie: Lehrbuch der Funktionen des menschlichen Körpers. 7 Aufl. Hannover: Elsevier Urban & Fischer. S. 326-334.

Blutzuckerregulation:

Abbildung 1: Bartels, R., Bartels, H. (2004): Physiologie: Lehrbuch der Funktionen des menschlichen Körpers. 7 Aufl. Hannover: Elsevier Urban & Fischer. S. 328.

Diabetes mellitus

Definition:

Diabetes mellitus („honigsüßer Durchfluss“, griechisch διαβήτης, von altgriechisch διαβαίνειν, „hindurchgehen“, „hindurchfließen“ und lateinisch mellitus „honigsüß“) bezeichnet ein heterogenes Bild von Stoffwechselstörungen, deren Gemeinsamkeit und Leitbefund die chronische Hyperglykämie darstellt. Die Ursachen liegen in einem absoluten Insulinmangel durch eine gestörte Insulinsekretion, oder in einem relativen Insulinmangel durch eine Störung der Insulinwirkung. Auch eine Kombination aus beidem ist beschrieben. Menzel, S. (2011): Blutzucker-Vergleichsmessung beim oralen Glucose-Toleranz-Test zwischen dem Nova Biomedical StatStrip Blutzuckermessgerät und der Standardlabormethode. URL: https://epub.ub.uni-greifswald.de/frontdoor/deliver/index/docId/844/file/diss_menzel_stefan.pdf. (Abruf: 11.04.2020).

Diabetes mellitus:

Die Definition des Diabetes mellitus:

  1. HbA1c 6.5% oder höher.
  2. Ein Nüchtern-Blutzuckerspiegel von 126 mg/dl (=7.0 mmol/l) oder höher. Nüchtern heißt: keine Kalorienzufuhr in den letzten 8h.
  3. Ein Blutzuckerspiegel von 200 mg/dl (=11.1 mmol/l) oder höher beim 2-Stunden-Wert des Zuckerbelastungstests (oraler Glucose-Toleranz-Test, OGTT). Bei diesem Test werden 75 g Glucose in Wasser gelöst eingenommen. Danach werden Blutzuckermessungen vorgenommen.
  4. Es finden sich Zeichen des Diabetes (wie große Trink- und Harnmengen) und ein Blutzuckerspiegel von 200 mg/dl (=11.1 mmol/l) oder höher. Gilt auch für Blutabnahmen nach Mahlzeiten. American Diabetes Association (2014): URL: https://care.diabetesjournals.org/content/diacare/37/Supplement_1/S81.full.pdf.
    (Abruf: 11.04.2020).
    Was ist Diabetes:

Diabetes mellitus beschreibt eine Gruppe von Stoffwechselstörungen, welche mit einer chronischen Erhöhung des Blutzuckerspiegels einhergehen, also eines erhöhten Glukosegehalts im Blut.

Die chronische Erhöhung des Blutzuckerspiegels wird in Verbindung gebracht mit verschiedenen Neben- und Folgeerkrankungen wie der Fehlfunktion und dem Versagen von Organen, insbesondere der Augen, der Niere, der Nerven, des Herzens und der Blutgefäße. Dies sind oftmals Langzeitfolgen des pathologisch erhöhten Glukosegehalts im Blut. In der Entstehung von Diabetes sind verschiedene pathologische Prozesse eingebunden, wie die autoimmune Zerstörung der pankreatischen Beta- Zellen, welche zu einem Insulinmangel führen, sowie Anomalien, welche die Insulinaktivität beeinträchtigen.

Symptome des Diabetes sind Polyurie, Polydipsie, Polyphagie, Gewichtsverlust und verschwommenes Sehen. Lebensbedrohliche Folgen eines unkontrollierten Diabetes können zu einer Ketoazidose oder dem hyperglykämischen hyperosmolaren Syndrom führen.

Die meisten Diabetesfälle lassen sich in zwei Typen kategorisieren. Diabetes Typ 1, dem eine Störung der Insulinsekretion zu Grunde liegt und Diabetes Typ 2, dessen Ursache eine verminderte Insulinsensitivität ist. American Diabetes Association (2014) URL: https://care.diabetesjournals.org/content/diacare/37/Supplement_1/S81.full.pdf.
(Abruf: 11.04.2020).

Ätiologie und Pathogenese:

Typ 1 Diabetes:

Diese Form des Diabetes betrifft nur 5-10% aller Diabetiker und wird auch als insulin-abhängiges Diabetes oder juveniles Diabetes bezeichnet. Er resultiert aus einer autoimmunen Zerstörung der Beta- Zellen aus dem Pankreas, welches eine mangelnde Insulinproduktion zur Folge hat. Marker der autoimmunen Zerstörung der Beta- Zellen sind Auto-Antikörper der Inselzellen, Auto-Antikörper gegen Insulin und Auto-Antikörper gegen Thyrosin- Phosphate. Außerdem hat dieser Diabetes Typ eine starke HLA- Verbindung und wird beeinflusst von DRB- Genen. HLA- und DRB- Allele können entweder prädisponierend oder schützend wirken. Die Rate der Beta- Zell Zerstörung ist variabel und kann bei einigen Individuen sehr schnell und bei anderen eher langsam ablaufen. Bei einigen Patienten manifestiert sich die Krankheit mit einer Ketoazidose als erstes Symptom, bei anderen kommt es zu einer mäßigen Beschleunigung der Hyperglykämie, welche dann plötzlich zu einer starken Hyperglykämie oder einer Ketoazidose führen kann, auf Grund von Stress oder Infektionen. Die autoimmune Zerstörung der Beta- Zellen besitzt multiple genetische Prädispositionen und wird auch mit verschiedenen Umwelteinflüssen in Verbindung gebracht, die allerdings bisher schlecht definiert sind. Übergewicht scheint nach bisherigem Forschungsstand ebenfalls eine gewisse Rolle zu spielen.

Typ 2 Diabetes:

Typ 2 Diabetes ist mit 90-95% aller Diabetiker die häufigste Diabetesform und wird oftmals als nicht-insulin abhängiges Diabetes oder Altersdiabetes bezeichnet. Es umfasst Individuen, welche an einer verminderten Insulinempfindlichkeit und an einem relativen Insulinmangel leiden. Diese Menschen besitzen intakte B-Zellen, welche gemessen am Bedarf nur unzureichend Insulin bilden (relativer Insulinmangel). Oftmals brauchen diese Patienten keine Insulintherapie um zu überleben. Typ 2 Diabetes hat verschiedene Ursachen, von denen noch nicht alle bekannt sind. Die meisten der Patienten sind übergewichtig und Übergewicht ist oftmals selbst eine Ursache für Insulinresistenz. Die Krankheit bei Typ 2 Diabetikern verläuft oft lange symptomlos, nichtsdestotrotz besteht bei diesen Menschen ein erhöhtes Risiko für makro- und mikrovaskuläre Komplikationen. Die Insulinresistenz verbessert sich durch Gewichtsabnahme und pharmakologischer Behandlung. Die Wahrscheinlichkeit an diesem Typ von Diabetes zu erkranken steigt mit Alter, Übergewicht und Abnahme von körperlicher Tätigkeit. Typ 2 Diabetes wird oftmals in Verbindung gebracht mit einer starken genetischen Prädisposition, allerdings ist die Genetik dieses Typs sehr komplex und noch nicht voll definiert. American Diabetes Association (2014): URL: https://care.diabetesjournals.org/content/diacare/37/Supplement_1/S81.full.pdf.
(Abruf: 11.04.2020).
Merkmale des Diabetes mellitus Typ 1 / Typ 2:

Tabelle 2: Nationale Versorgungsleitlinie S.73: Therapie des Typ 2 Diabetes: 1 Auflage: URL: https://extranet.who.int/ncdccs/Data/DEU_D1_Type%202%20Diabetes.pdf#page74. (Abruf: 13.04.2020).

Therapie:

Im Fokus der Therapie stehen beim Diabetes die optimale Einstellung des Blutzuckers um das Risiko akuter Komplikationen oder Langzeitfolgen zu minimieren.

Die Therapieansätze des Diabetes Typ 1 und Typ 2 sind dabei von einander abzugrenzen. Da bei Typ 1 Diabetes ein absoluter Insulinmangel vorliegt, ist vom Zeitpunkt der Diagnose an eine Insulintherapie notwendig. Des weiteren sind sowohl Nahrungszufuhr als auch Insulininjektion aufeinander so abzustimmen, dass der Patient normoglykämisch bleibt.

Bei Typ 2 Diabetes, welcher sich aus einer Glukosetoleranz entwickelt, gelingt oftmals schon eine deutliche Besserung und Normalisierung des Stoffwechsels, indem entsprechende Basistherapiemaßnahmen und Ernährungsumstellungen, sowie Bewegungstherapien eingeleitet werden. Außerdem spielt die Gewichtsreduktion häufig eine entscheidende Rolle.

Kommt es nach 3 Monaten zu keiner Verbesserung des Stoffwechsels, wird eine orale medikamentöse Therapie eingeleitet. Wenn diese ebenfalls zu keinem Erfolg führt, stellt die Insulinsubstitution eine wichtige Therapieoption dar. Menzel, S. (2011): Blutzucker-Vergleichsmessung beim oralen Glucose-Toleranz-Test zwischen dem Nova Biomedical StatStrip Blutzuckermessgerät und der Standardlabormethode. URL: https://epub.ub.uni-greifswald.de/frontdoor/deliver/index/docId/844/file/diss_menzel_stefan.pdfohne. (Abruf: 11.04.2020).

Der Glukosestoffwechsel:

Der HbA1c- Wert: glykiertes Hämoglobin:

Durch den HbA1c- Wert erhält man Informationen über den Blutzucker innerhalb der letzten 8-12 Wochen. Bei einer gesunden Person liegt er unter 5,7%. Bei höheren Werten spricht man von Prädiabetes und ab einem Wert von 6,5% besteht ein Diabetes Mellitus. Gaisenberger (2018): Einfluss eines sechsmonatigen überwachten körperlichen Trainings auf kardiometabolische Parameter bei Patienten mit KHK und/oder Diabetes mellitus Typ 2. URL: https://mediatum.ub.tum.de/doc/1432599/1432599.pdf. (Abruf: 14.04.2020).

Der Glukosestoffwechsel während körperlicher Aktivität:

Die Muskulatur benötigt während körperlicher Arbeit Energie. Diese wird zuerst aus dem intramuskulären Glykosespeicher und aus dem frei im Blutvolumen zirkulierenden Glykogen gewonnen. Mit anhaltender Belastung erhält der Muskel die Energie durch freie Fettsäuren. Das Protein Glut- 4 dient als Glukosetransporter und ermöglicht einen gesteigerten transmembranösen Transport von Glukose aus dem Blut in die Muskelzelle. Es kommt zu einer Translokation von Glukosetransportern, vom endoplasmatischen Retikulum an die Muskelzellmembran. Dieser Vorgang wird sowohl durch Insulin, als auch durch die Muskelkontraktion in Gang gesetzt. Die höchste Glukoseaufnahme unter Belastung findet bei Personen mit hyperinsulinärer Stoffwechsellage statt.
Des weiteren wird die Aktivität der Enzyme Hexokinase und Glykogensynthase gesteigert, welche zum intrazellulären Glukosestoffwechsel gehören. Durch sie wird der Verbrauch und die Speicherung von Glukose ökonomisiert. Die Enzymaktivität und die gesteigerte Anzahl der Glut- 4 in der Zellmembran, bleiben auch nach Beendigung der körperlichen Aktivität erhalten. In der Folge kommt es zu einer Verminderung der Insulinresistenz. Durch regelmäßiges Training verbessert sich die Bindung von Insulin an den Rezeptoren der Muskeln.
Diese Vorgänge bewirken eine Blutzuckersenkung im Blut und führen langfristig zu einem geringeren HbA1c- Wert. Hellmann, S. (2017): 6-monatige Bewegungsstudie unter Durchführung eines Kraftausdauertrainings sowie eines ausdauerorientierten Rehabilitationssportes bei Typ 2 Diabetikern mittels Untersuchung therapierelevanter Parameter. URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2018/13525/pdf/HellmannStephanie_2018_03_19.pdf.(Abruf: 14.04.2020) und Neu, A., Kellerer, M. im Auftrag der DDG (2019): Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft. URL: https://www.deutsche-diabetes gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Leitlinien/Praxisempfehlungen/2019/11_Diabetes__Sport_und_Bewegung_Halle_DDG.pdf. (Abruf: 13.04.2020).

Training:

Beim körperlichen Training werden Reize in Form gezielter Beanspruchungen gesetzt, die eine Verbesserung der Konstitution und Leistungsfähigkeit bewirken. Schröder, J. (2010) Grundlagen des Trainings: Ausdauer, Kraft, Bewegung und Koordination: URL: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-642-01332-4_3. (Abruf: 13.04.2020). Grundsatz vom Training ist die Adaption des Körpers auf neu gesetzte Reize, denn der Körper passt sich mit der Zeit an die neuen Anforderungen an und es kommt zu einer Verbesserung der Leistungsfähigkeit. Der Adaptionsprozess ist abhängig von der Reizgröße, der Akkomodation, der Spezifik und der Individualität. Zatsiorsky, V., Kraemer, W. (2016): Krafttraining: Praxis und Wissenschaft.URL: https://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=o4piCwAAQBAJ&oi=fnd&pg=PA20&dq=krafttraining&ots=6J-Tb7Un7f&sig=jODaXzZ-IJMrB85t-oeHi3frbUY#v=onepage&q=krafttraining&f=false. (Abruf: 12.04.2020).

Kraft:

Sportwissenschaftliche Definition:

Kraft ist die Fähigkeit des Nerv- Muskel- Systems, Widerstände zu überwinden oder ihnen entgegenzuwirken.
Man unterscheidet zwischen konzentrischer, exzentrischer und isometrischer Muskelarbeit. Pauls, J. (2014): Das große Buch vom Krafttraining. URL: Https://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=WCdQBQAAQBAJ&oi=fnd&pg=PA8&dq=krafttraining&ots=omz_pw9i3K&sig=-ljZE_PTzL3kaKyp7pq8oR_wbg0#v=onepage&q=krafttraining&f=false. (Abruf: 12.04.2020).

Krafttraining:

Erscheinungsformen der Kraft:

Maximalkraft ist die größtmögliche Kraft die ein Mensch willentlich entwickeln kann. Sie ist abhängig vom Muskelquerschnitt und der intramuskulären Koordination. Wenn sich die Maximalkraft verbessert, verbessern sich gleichzeitig Kraftausdauer und Schnellkraft.

Kraftausdauer ist die Widerstandsfähigkeit der Muskulatur gegenüber Ermüdung bei langandauernden oder sich wiederholenden Kraftleistungen. Sie ist abhängig von der Maximalkraft und der aeroben Kapazität.

Schnellkraft ist die in kürzest möglicher Zeit entwickelbare Kraft. Sie ist abhängig von der Maximalkraft und der Kontraktionsgeschwindigkeit der Muskulatur.
Pauls, J. (2014): Das große Buch vom Krafttraining. URL: Https://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=WCdQBQAAQBAJ&oi=fnd&pg=PA8&dq=krafttraining&ots=omz_pw9i3K&sig=-ljZE_PTzL3kaKyp7pq8oR_wbg0#v=onepage&q=krafttraining&f=false. (Abruf: 12.04.2020).

Positive physische Effekte des Krafttrainings:

Durch regelmäßiges Krafttraining kommt es zu zahlreichen Veränderungen im Organismus. Da die einzelnen Muskelfasern sich vergrößern, kommt es zu einer Hypertrophie der Muskulatur. Die Anzahl der Myofibrillen erhöht sich und der Gelenkknorpel verdickt. Auch die Sehnen verdicken sich und verdichten ihre innere Struktur. Zudem erhöht sich die Knochenstabilität durch Vergrößerung des Durchmessers und der Mineraldichte. Der Blutdruck wird gesenkt und die aerobe Ausdauer verbessert sich. Auch die intramuskuläre Koordination wird besser. Pauls, J. (2014): Das große Buch vom Krafttraining. URL: Https://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=WCdQBQAAQBAJ&oi=fnd&pg=PA8&dq=krafttraining&ots=omz_pw9i3K&sig=-ljZE_PTzL3kaKyp7pq8oR_wbg0#v=onepage&q=krafttraining&f=false. (Abruf: 12.04.2020).

Ausdauertraining:

Ausdauer ist die Ermüdungswiderstandsfähigkeit gegenüber langanhaltenden oder sich wiederholenden Tätigkeiten. Man unterscheidet zwischen lokaler und allgemeiner Ausdauer. Als lokale Ausdauer bezeichnet man als Tätigkeiten an denen weniger als 1/6 oder 1/7 der Gesamtkörpermuskulatur beteiligt sind. Allgemeine Ausdauer sind Tätigkeiten an denen mehr als 1/7 bis 1/6 der Gesamtkörpermuskulatur beteiligt sind. Muster, M., Zielinski, R. (2006): Bewegung und Gesundheit: Gesicherte Effekte von körperlicher Aktivität und Ausdauertraining. URL: https://link.springer.com/chapter/10.1007%2F3-7985-1558-1_12. (Abruf: 11.04.2020).

Trainingsmethoden:

Intervallmethoden kennzeichnen sich durch aufeinanderfolgende Belastungsphasen mit dazwischenliegenden Pausen. Die Belastungsdauer begrenzt sich auf wenige Sekunden bis mehrere Minuten mit lohnenden Pausen. Die Belastungsintensität liegt zwischen dem aerob-anaeroben Übergangsbereich.
Bei der Dauermethode gibt es eine kontinuierliche Belastung ohne Pause. Die Belastungsdauer ist unterschiedlich, zwischen 20 Minuten und mehreren Stunden. Die Intensität bleibt unter der anaeroben Schwelle. Olivier, N., Marschall, F., Büsch, D. (o.J.): Grundlagen der Trainingswissenschaft und -lehre. ULR: https://www.sportfachbuch.de/pdfs/9130.pdf. (Abruf: 10.04.2020).

Positive physische Effekte des Ausdauertrainings:

Durch regelmäßiges Ausdauertraining kommt es zu einer Muskelmasseabnahme. Der Anteil an slow- twitch Fasern im Muskel nimmt zu. Ausdauertraining verändert auch die Energiegewinnung, denn es kommt zu einer erhöhten Bildung von ATP und zur Verbesserung der Aktivierung von freien Fettsäuren. Glykogen wird vermehrt in der Leber und intramuskulär gespeichert und die anaerobe Schwelle des Trainierenden steigt. Auch das Herz- Kreislauf- System profitiert durch Abnahme der Herzfrequenz und Zunahme des Schlagvolumens. Muster, M., Zielinski, R. (2006): Bewegung und Gesundheit: gesicherte Effekte von körperlicher Aktivität und Ausdauertraining. URL: https://link.springer.com/chapter/10.1007%2F3-7985-1558-1_12. (Abruf: 11.04.2020) und Neumann, G., Pfützner, A., Berbalk, A. (2013): Optimiertes Ausdauertraining. ULR: https://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=NA9Q4TMKzMwC&oi=fnd&pg=PA9&dq=ausdauertraining+&ots=I5_syZiTCr&sig=Kaz2x8PNCKwpxtf51_SN0v7wOgQ#v=onepage&q=ausdauertraining&f=false. (Abruf: 13.04.2020).

HIIT-Training:

Beim HIIT (High Intensity Interval Training) stehen kurze, intervallartige Belastungen im Vordergrund. Es wird bei über 80% der maximalen Herzfrequenz und mit hoher Intensität über einen kurzen Zeitraum trainiert, mit darauffolgender Erholungsphase bei niedriger Intensität, oder einer unvollständigen Pausenphase. Die Trainingsdauer beträgt 15-20min. Sperlich B. (o.J.): Integrative & experimentelle Trainingswissenschaft. URL: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/a-0859-5432. (Abruf: 14.04.2020).
Welches Training beeinflusst laut Studienlage den Blutzucker am meisten?

Die Studie zeigt, dass kombiniertes Kraft- Ausdauertraining den größten Effekt auf die Senkung des HbA1c- Werts hat. Isoliertes Kraft- oder Ausdauertraining führten zu geringeren Auswirkungen auf den HbA1c- Wert. Während sich der Wert beim kombinierten Kraft- Ausdauertraining um -0.68% bis − 0.45% erniedrigte, verminderte er sich beim kontrollierten Ausdauertraining um -0.60% bis − 0.45% und beim kontrollierten Krafttraining um -0.38% bis − 0.15%. Pan, B., Ge, L., Xun, Y. et al.(2018): Exercise training modalities in patients with type 2 diabetes mellitus: a systematic review and network meta-analysis. URL: https://ijbnpa.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12966-018-0703-3?optIn=false. (Abruf: 15.04.2020).

Trainingsempfehlung:

Die American Association of Diabetes (ADA) Guidelines 2020 empfehlen:
„5.24 Children and adolescents with type 1 or type 2 diabetes or prediabetes should engage in 60 min/day or more of moderate- or vigorous-intensity aerobic activity, with vigorous muscle-strengthening and bone-strengthening activities at least 3 days/week. C
5.25 Most adults with type 1 C and type 2 B diabetes should engage in 150 min or more of moderate- to vigorous-intensity aerobic activity per week, spread over at least 3 days/week, with no more than 2 consecutive days without activity. Shorter durations (minimum 75 min/week) of vigorous-intensity or interval training may be sufficient for younger and more physically fit individuals.
5.26 Adults with type 1 C and type 2 B diabetes should engage in 2–3 sessions/week of resistance exercise on nonconsecutive days.
5.27 All adults, and particularly those with type 2 diabetes, should decrease the amount of time spent in daily sedentary behavior. B Prolonged sitting should be interrupted every 30 min for blood glucose benefits. C
5.28 Flexibility training and balance training are recommended 2–3 times/week for older adults with diabetes.[…].“ American Diabetes Association (2020): 5. Facilitating behavior change and well-being to improve health outcomes: Standards of Medical Care in Diabetes—2020. URL: https://care.diabetesjournals.org/content/43/Supplement_1/S48. (Abruf: 14.04.2020).

Fallanalyse

In der Fallanalyse geht es um die akute Blutzuckerregulation, beziehungsweise die Beeinflussung des Blutzuckers während körperlichen Aktivitäten. Die Aktivitäten wurden hier in drei Kategorien aufgeteilt: Ausdauertraining, HIIT und Krafttraining.

Material und Methode:
Stichprobe:

Die Fallanalyse wird von drei Probandinnen ausgeführt, die sich jeweils mit einer sportlichen Aktivität beschäftigen. Sie absolvieren momentan das dritte Ausbildungsjahr an der Physiotherapieschule in Bad Säckingen, sowie das sechste Semester im Studiengang Physiotherapie Bachelor of Science an der Fachhochschule des Mittelstandes in Bamberg. In diesem Bezug arbeiten sie in dem Fach „Physiotherapie – Projekte“ an dem Thema „Auswirkung von Training auf den Blutzucker“.
Die Probandinnen befinden sich alle in der gleichen Altersgruppe und haben vor den Messungen für 3,5 Stunden keine Nahrung oder zuckerreiche Getränke zu sich genommen. Es bestehen bei den Testpersonen keine Nebenerkrankungen, die auf ihre sportliche Leistung oder auf den Blutzucker Einfluss nehmen könnten. Somit sind die Voraussetzungen für die Datenerhebungen nahezu identisch.

Konstruktion der Messinstrumente:

Für die Messungen wurde das Blutzuckermessgerät von Ascensia CONTOUR verwendet, welches von der Fachhochschule bereitgestellt wurde. Zudem erhielten sie passende Messstreifen, die ebenfalls durch den Dozenten bereitgestellt wurden.
Sportartspezifisch wurden zusätzlich zur Trainingsausstattung ein Pulsmessgerät, eine Trainingsmatte sowie ein Fahrrad verwendet. Um die Trainingseinheit zeitlich zu begrenzen, wurde eine Stoppuhr verwendet.

Durchführung/ Datenerhebung/Dateneingabe/Datenanalyse:

Durchgeführt wurde die Messung an drei unterschiedlichen Tagen.
Vor der Messung wurden die Hände mit Wasser und einer neutralen Seife gewaschen, um Bakterien zu beseitigen und um die Messung nicht zu verfälschen.
Zuerst wurde das Blutzuckermessgerät eingeschaltet und mit einem Teststreifen ausgestattet. Der nächste Schritt wurde eingeleitet, als das Messgerät einen lauten Ton von sich gab.
Dann wurde jeweils in eine beliebige Fingerspitze gestochen. Wichtig hierbei ist, nicht den Finger zu drücken oder zu quetschen um einen Blutstropfen zu erhalten, da dies ebenfalls die Messwerte verfälschen kann.
Das Messgerät wurde an den Blutstropfen angehalten, bis das Messgerät einen zweiten Ton ertönen ließ. Das Gerät wertete nun den Blutzuckerspiegel aus und dieser konnte nach der Auswertung vom Gerät abgelesen werden. Somit war der erste Wert bekannt und wurde notiert.
Die jeweilige Probandin begann nun mit ihrer Sporteinheit und wiederholte die Messung direkt nach der jeweiligen körperlichen Aktivität.

Bei der Krafteinheit haben wir uns für ein Training entschieden, dass Bauch- und Gesäßmuskulatur kräftigen soll, zwei große Muskelgruppen des menschlichen Körpers. Die Zeiteinteilung lag etwa bei 15 Minuten pro Muskelgruppe, bei der jeweils 12 Wiederholungen à 5 Sätze pro Übung angewandt wurden.

Der Ausdauersport gestaltete sich mit einer halben Stunde Joggen, wobei darauf geachtet wurde, dass die Probandin bei gleichbleibendem Tempo und auf fast ebener Strecke eine halbe Stunde in Bewegung bleibt. Sie wurde mit einem Pulsmessgerät ausgestattet, damit die Pulsfrequenz nicht über einen Wert von 140 steigt.

Die HIIT – Einheit wurde auf dem Fahrrad ausgeführt. Die Probandin fuhr für eine halbe Stunde mit wechselnder Intensität und wechselnder Geschwindigkeit Rad. Die Zeitintervalle wurden hier mit 20 Sekunden high intensity und 30 Sekunden low intensity Phasen gewählt, welche im Wechsel und mit Hilfe eines Zeitmessgerätes durchgeführt wurden.

Die Ergebnisse der Fallanalyse werden in folgender Tabelle aufgeführt:
Tabelle 3: Ergebnisse der Untersuchung (eigene Darstellung)
Krafttraining HIIT Ausdauer
Erste Messung 78 mg/dl 77 mg/dl 92 mg/dl
Zweite Messung 94 mg/dl 81 mg/dl 75 mg/dl

Analyse:

Zu erkennen ist, dass bei den Durchführungen lediglich das Ausdauertraining senkend auf den Blutzuckerspiegel gewirkt hat. Sowohl das Krafttraining, als auch die HIIT-Einheit haben zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels geführt.
Dies könnte damit zu erklären sein, dass es bei starker körperlicher Belastung, oder bei intensivem Training zu einer vermehrten Katecholaminausschüttung kommt, welches die Testosteronkonzentration im Blut kurzzeitig erhöht. Testosteron blockiert folglich die Insulinausschüttung und der Blutzuckerwert steigt an. Da die Messungen direkt nach dem Sport getätigt wurden, ist es möglich, dass auch die Probandinnen von diesem Prozess betroffen waren. Interessant wäre gewesen, eine dritte Messung durchzuführen, welche 15 bis 20 Minuten nach der körperlichen Anstrengung durchgeführt worden wäre. Da sich der Körper in der Zeit erholen könnte, wäre wahrscheinlich auch die Insulinausschüttung normalisiert worden.
Die Messergebnisse wären dann sehr wahrscheinlich positiv ausgefallen, der Blutzuckerwert wäre also genau wie beim Ausdauertraining gesunken.

Prognose:

Auch nach ausgiebiger Recherche ist es schwer zu sagen, welche Sportart am effizientesten ist, um den Blutzuckerwert zu senken, da die Studienlage nicht eindeutig ist, beziehungsweise das Thema nicht umfassend genug behandelt wurde. Zudem sind die Ergebnisse der unterschiedlichen Studien sehr variabel und nicht in eine Richtung führend.
Akute Wirkungen von Training auf den Blutzuckerwert, werden unzureichend im Bezug auf die unterschiedlichen Sportarten behandelt.
Trotzdem kann man sagen, dass mit großer Wahrscheinlichkeit kombiniertes Kraftausdauertraining am effizientesten ist, um den Blutzuckerspiegel zu senken, da die Ergebnisse der Studien in diese Richtung tendieren.

Literaturverzeichnis:

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Hellmann, S. (2017): 6-monatige Bewegungsstudie unter Durchführung eines
Kraftausdauertrainings sowie eines ausdauerorientierten Rehabilitationssportes bei Typ 2 Diabetikern mittels Untersuchung therapierelevanter Parameter. URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2018/13525/pdf/HellmannStephanie_2018_03_19.pdf.(Abruf: 14.04.2020)

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Schröder, J. (2010) Grundlagen des Trainings: Ausdauer, Kraft, Bewegung und
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Sperlich, B. (o.J.): Integrative & experimentelle Trainingswissenschaft.
URL:https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/a-0859-5432. (Abruf: 14.04.2020).
Zatsiorsky, V., Kraemer, W. (2016): Krafttraining: Praxis und Wissenschaft.
URL:https://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=o4piCwAAQBAJ&oi=fnd&pg=PA20&dq=krafttraining&ots=6J-Tb7Un7f&sig=jODaXzZ-IJMrB85t-oeHi3frbUY#v=onepage&q=krafttraining&f=false. (Abruf: 12.04.2020).

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Bartels, R., Bartels, H. (2004): Physiologie: Lehrbuch der Funktionen des
menschlichen Körpers. 7 Aufl. Hannover: Elsevier Urban & Fischer. S. 328.

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: STADA Arzneimittel AG (o. J.): URL: https://www.stada-
diagnostik.de/diabetes/blutzucker-ratgeber/blutzuckerspiegel/habe-ich-einen-normalen-blutzuckerspiegel.html. (Abruf: 11.04.2020).

Tabelle 2: Nationale Versorgungsleitlinie S.73: Therapie des Typ 2 Diabetes: 1 Auflage: URL:
https://extranet.who.int/ncdccs/Data/DEU_D1_Type%202%20Diabetes.pdf#page74. (Abruf: 13.04.2020).

Tabelle 3: Ergebnisse der Untersuchung (eigene Darstellung)

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